Einweisen des Hundes im Jagdbetrieb


Bei einer Niederwildjagd schießt ein Jäger eine Ente. Diese fällt in 60 Metern Entfernung auf eine vom Vieh zertretene Weide. Ein Graben trennt nach 35 Metern diese Fläche vom Schützen. Der Hund des Schützen hat das Fallen der Ente nicht mitbekommen.

Wird jetzt der Hund zum Bringen aufgefordert, so wird er naturgemäß vom Fuß weg mit einer Quersuche beginnen und die Fläche nach einem Stück Wild absuchen. Der Hund wird erst diesseits des Grabens die Fläche gründlich absuchen, sich danach die Grabenuferkante vornehmen und danach das Wasser. Wenn es gut läuft, wird er dann durch Unterstützung seitens seines Führers, oder durch seinen Grad an Selbstständigkeit, Finderwillen, Ausdauer und Erfahrung, den Graben nach geraumer Zeit überwinden können und nach weiterem gründlichen Absuchen der jenseitigen Weide, die Ente finden. Hat dieser Hundeführer seinen Hund im Einweisen durchgearbeitet, so würde bei gleicher Situation die Arbeit ganz anders aussehen. Der Hund wird mit einem gezielten Handzeichen in Richtung der Ente losgeschickt.

Ohne Quersuche läuft er direkt und in gerader Linie zur Uferkante des Grabens. Hier bekäme er ein weiteres Kommando, um den Graben zu überwinden, evtl. mit einem zusätzlichem Handzeichen in Richtung der Ente. Der Hund würde hinter dem Graben verbal weiter voran geschickt, um die verbleibenden 25 m von der Grabenuferkante bis zur Ente zu überwinden und im Bereich der Fallstelle ein Signal zur Feinsuche bekommen. So kann der Hund nun ganz genau im richtigen Bereich die Löcher, die durch das Vieh in der Weide entstanden sind, nach der Ente durchbuchstabieren, um diese dort zu finden.

Den Hund dirigieren


Dieser Führer kann seinen Hund auf direktem Wege in jeden Fallbereich schicken, ihn über alle Geländeübergänge (Zäune, Wege, Wasserflächen, Hecken, etc.) dirigieren und somit in kürzester Zeit an das beschossene Wild gelangen. Zudem verbraucht der Hund hierzu nicht unnötig viel Gelände, zumal er bei einer Quersuche an anderes jagdbares Wild kommen könnte, welches somit unerreichbar ablaufen oder abstreichen würde, oder welches den Hund von seiner Aufgabe zu Bringen ablenken würde. Durchschnittlicher Zeitverbrauch des Bringens im ersten Fall zehn Minuten - im zweiten Fall eine Minute.

Das Einweisen setzt sich im Groben aus vier Elementen zusammen. Dem richtungsweisenden Losschicken, dem Abstoppen, der Richtungskorrektur durch Handzeichen und dem Anzeigen des Fallbereiches, in dem der Hund mit der Suche beginnen soll.

1. Schicken

Schicken in eine vorgegebene Richtung und diese Richtung halten (z.B. Kommando „Voran“): 

Beim Schicken in Richtung des Stückes ist darauf zu achten, dass der Arm und die Hand der/s Hundeführerin/s genau in Richtung des Stückes weist, so dass der Hund die Richtung, in die er laufen soll, genau davon ablesen kann. Desweiteren ist es wichtig, dass der Hund gerade zu der Linie sitzt, in die er laufen soll. Sitzt er schräg dazu, wird er in die Richtung laufen, in die sein Körper gesessen hat und somit die gezeigte Richtung nicht annehmen können. Ideal ist es, wenn der Hund mit den Augen den Punkt fokussiert, auf den er zulaufen soll. Dieses kann jedoch nur erreicht werden, wenn unsere Richtungsangaben exakt sind. Ansonsten wird der Hund nach dem Loslaufen beginnen zu bögeln und wieder in eine selbstständige Suche übergehen, was es zu vermeiden gilt.

2. Abstoppen

Abstoppen, der Hund wird im Laufen gestoppt, (Einfaches Signal mit der Pfeife):

Das Stopp-Signal beim Einweisen unterscheidet sich vom üblich verwendeten „Down“ dadurch, dass der Hund zwar genauso anhält, jedoch in aufmerksamer Erwartung auf eine weitere Anweisung der/s Hundeführerin/s ist. Hierbei kann er sitzen, liegen, oder auch stehen. Der Hund hat sich dabei zur/m Hundeführer/in gedreht und schaut diese/n an.

Der Sinn des Abstoppens ist es, den Hund in der Richtung zum Stück zu korrigieren, falls er diese Richtung verlassen hat. Somit minimiert man den unnötigen Geländeverbrauch und die Zeit bis zum Auffinden. Oftmals sind diese Korrekturen an Geländeübergängen notwendig, weil der Hund diese natürlichen Leitlinien („Verleitlinien“, in diesem Fall) gerne anfällt.

3 und 4: Neue Richtung und Feinsuche

Die neue Richtung wird nun durch Handzeichen angeben (z.B. Links, Rechts, weiter Voran), anschließend wird der Fallbereich durch ein Signal zur Feinsuche vorgegeben (Signal mit der Pfeife oder verbales Kommando).

Einweisen ist keine Domäne für Retriever, sondern diese Technik ist jedem Hund beizubringen, der zum Apportieren im Jagdbetrieb eingesetzt werden soll.

Je nachdem, wie stark die Anlage des jeweiligen Hundes angelegt ist, direkt nach dem Schicken in eine Quersuche zu verfallen, um so mehr Zeit muß man sich anfangs in der Ausbildung nehmen, um den Hund auf die Handzeichen einzustellen. Je höher der Grad der Führigkeit eines Hundes ist, um so leichter gelingt die Ausbildung zum Einweisen.

Hat der Hund jedoch gelernt, dass er über die Handzeichen seines Führers schneller zum Erfolg kommt, dann wird er sich hierdurch unterstützen lassen, da es ihm einen eigenen Vorteil bringt. Mit der richtigen Struktur im Trainingsaufbau ist das Einweisen des Jagdhundes kein Hexenwerk und situativ sehr sinnvoll. Bianca Willems-Hansch