ASP: Das sollten Sie beim Jagdhunde-Einsatz beachten

Verschmutzte Ausrüstung vor Ort in einen Plastiksack packen und zuhause reinigen. © David Ris
Verschmutzte Ausrüstung vor Ort in einen Plastiksack packen und zuhause reinigen.

Der Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) wird in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet, den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, zwischen Lederzecken und Warzenschweinen übertragen. Das Virus ist also darauf optimiert, mit geringen Schweißmengen effizient weitergegeben zu werden. Ein kleiner Tropfen Schweiß eines ASP-erkrankten Wildschweins enthält sehr große Erregermengen. Man kann sich vorstellen, dass sich das Virus sozusagen an den roten Blutkörperchen festhält und sich dort versteckt.

Aus diesem Grund ist jedweder Schweißkontakt ein großes Risiko. Erschwerend kommt hinzu, dass das Virus in Schweiß, auch getrocknetem Schweiß, sehr lange vermehrungsfähig bleibt (70 Tage in Blut bei Raumtemperatur). Generell ist das Virus sehr widerstandsfähig in der Umwelt, was aber nicht heißt, dass man es nicht inaktivieren kann. Im Folgenden sollen die Maßnahmen aufgezeigt werden, die Hundeführer einsetzen können, damit sie nicht zu Überträgern des Virus werden.

So säubern Sie Ihren Hund nach Hahn in Ruh

Da man, gerade bei dunkelhaarigen Hunden, den Schweiß nicht sehen kann, muss immer davon ausgegangen werden, dass am Hund mindestens ein Tropfen Wildschweinschweiß und damit ASPV hängt. Wichtig ist, dass sich das Virus weder auf noch in dem Hund vermehren kann und somit keine Infektionsgefahr für den Hund besteht. Man muss jedoch unbedingt verhindern, dass der Hund zu einem mechanischen Überträger wird und das Virus aus dem Revier verschleppt. Der Hund muss noch im Revier und bevor er in seine Box gesteckt wird, gründlich gewaschen werden.

Selbst Stunden nach Kontakt zu einer geschossenen Sau, ist der Terrier noch mit Schweiß verschmiert. © Dr. Benno Nothelfer

Selbst Stunden nach Kontakt zu einer geschossenen Sau, ist der Terrier noch mit Schweiß verschmiert.

Wasser und Seife reinigen effektiv

Grundsätzlich lässt sich bereits durch einige Liter Wasser eine gute Reinigungswirkung erzielen. Da das Virus eine Umhüllung besitzt, die mit einer milden Seifenlauge oder auch Hunde­shampoo angegriffen werden kann, unterstützt die Verwendung derartiger Substanzen den Effekt deutlich. Es ist ratsam, etliche Liter Wasser, ein normales Hundeshampoo, trockene und saubere Tücher sowie einen Sack zum Verstauen kontaminierter Tücher und anderer Gegenstände (Leine, Halsung, Weste, Ortungshalsband) dabeizuhaben.

So kann der Hund gründlich gewaschen (Verschmutzungen händisch entfernen, besonders an Fang und Pfoten) und abgetrocknet werden. Die Tücher sind zusammen mit den übrigen Hundeausrüstungsgegenständen in den Sack zu stecken und können zuhause in der Waschmaschine bei 60°C gewaschen und gegebenenfalls wiederverwendet werden. Erst danach den (feuchten) Hund in seine von Zugluft geschützte Transportbox sperren.

Das tötet das Virus sicher ab

Das ASP-Virus kann z.B. durch Hitze, Säuren, Laugen und Lösungsmittel sicher inaktiviert werden. Abhängig von der Matrix (also Blut, Schleim, Darm­inhalt), in der sich das Virus befindet, kann das Virus bereits bei moderaten Temperaturen abgetötet werden: Bei 60 bis 70 Grad Celsius über eine Dauer von 30 Minuten wird das Virus inaktiviert. Ebenso wird es in einer Umgebung mit pH-Wert 4 oder niedriger oder 10 und höher relativ sicher inaktiviert.

An der Schutzweste haftende Viren lassen sich im Backofen sicher abtöten. © Davis Ris

An der Schutzweste haftende Viren lassen sich im Backofen sicher abtöten.

Eine gute Kombination ist z.B. die Bürstenreinigung von abwaschbaren Oberflächen mit heißem Wasser und Seifenlauge. Auf diese Weise sinkt die Übertragungswahrscheinlichkeit gegen null. Eine lange Buntwäsche (60 Grad Celsius) mit Voll- oder Feinwaschmittel führt ebenso zu einer sicheren Inaktivierung des Virus.

Auch bei einem Waschgang mit 40 °C findet bereits eine sehr gute Reduktion der Viruslast statt. Im Umkehrschluss ergibt sich, dass spezielle, desinfizierende Waschmittel nur nötig sind, wenn die betroffenen ­Textilien höhere Temperaturen nicht aushalten. Hier muss dann die jeweilige Gebrauchsanleitung im Hinblick auf viruzide Wirkung auf behüllte Viren beachtet werden. In diesem Zusammenhang sollte auch bedacht werden, dass nach dem ersten Auftreten der ASP im gefährdeten Gebiet und in der Pufferzone möglichst solche Materialien zum Einsatz kommen sollten, die gut zu reinigen sind.

Auch Halsung, GPS und Weste reinigen

GPS-Halsbandsender oder auch Leinen lassen sich in einer heißen Seifenlauge sehr gut reinigen. © David Ris

GPS-Halsbandsender oder auch Leinen lassen sich in einer heißen Seifenlauge sehr gut reinigen.

Was passiert mit den anderen Ausrüstungsgegenständen, die am Hund zu finden sind und die aufgrund ihrer Materialbeschaffenheit weder in die ­Waschmaschine können noch einer Bürstenreinigung mit Seifenlauge zugänglich sind?

Lederhalsungen/Leinen: Diese Materialien können nach grober oberflächlicher Reinigung für 30 Minuten bei 70 Grad Celsius in den Umluft-Backofen geschoben werden.

Schlagschutzwesten: Zunächst mit dem Hersteller abklären, ob und bei welchen Temperaturen die Weste in die Waschmaschine kann. Falls dies möglich ist, kann analog zum oben beschriebenen Vorgehen gehandelt werden. Eine vorausgehende grobe Reinigung in Seifenlauge ist grundsätzlich angeraten. Falls die Weste nicht waschmaschinentauglich ist, kann sie nach der Vorreinigung in eine Desinfektionslösung entsprechend Herstellerangabe eingelegt werden. Auch ein mehrstündiges Einlegen in Essigwasser ist grundsätzlich möglich, aufgrund des Geruches aber möglicherweise nicht praktisch. Sollte die Weste temperaturstabil sein, kommt auch wieder der Backofen in Betracht.

Ortungsgeräte und Halsbänder: Sie besitzen in der Regel desinfizierbare und leicht zu säubernde Oberflächen (außer z.B. Cordura). Bürstenreinigung, gegebenenfalls mit einem Essigreiniger, ist ausreichend.

Den Hund noch im Revier mit Wasser und Hundeshampoo gründlich waschen. © David Ris

Den Hund noch im Revier mit Wasser und Hundeshampoo gründlich waschen.

Nach der Jagd sind Saubermänner gefragt

Hundeführer müssen sich im Revier vorsäubern, umziehen und insbesondere darauf achten, über ihre Schuhe kein infektiöses Material zu verteilen. Eine zweite Garnitur Kleidung und Schuhe ist notwendig.

Wald- und Moorböden besitzen einen sehr niedrigen pH-Wert (~ pH 4). In ­diesen sauren Milieus kann sich das Virus nicht vermehren. Bei Experimenten ist es bisher nicht gelungen, das Virus aus solchen Bodenproben zu isolieren. ­Anders sieht es in sehr sandigen Bereichen aus. Ob eine virusreduzierende Behandlung durchgeführt wird, ist immer mit den örtlichen Behörden abzustimmen.

Autoren: Dr. Benno Nothelfer & Dr. Sandra Blome (Friedrich-Löffler-Institut)