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Gemeinsam Jagd erleben am Limes

zwei Menschen bei Sonnenuntergang © gemeinsam Jagd erleben

Durch meinen Umzug in den Norden Baden-Württembergs entstand ein neuer Bekanntenkreis - hauptsächlich Jäger. Die scheine ich magisch anzuziehen. 'Dein Name verpflichtet ja schon fast zum 'grünen Abitur', höre ich seitdem ständig, und der Gedanke setzt sich langsam in meinem Kopf fest. Bisher hatte ich nie die Idee, den Jagdschein zu machen.
Zahlreiche Gespräche mit meinen Bekannten wecken mein Interesse, auch beruflich: Wie bringe ich Kindern die heimische Tier- und Pflanzenwelt nahe? Wie erkläre ich ihnen die Zusammenhänge, zeige wie spannend die Natur im Gegensatz zur virtuellen Welt sein kann? Im Sachunterricht könnten die Kinder bei Aufenthalten in der Natur viel mehr erleben und erfahren. Vorausgesetzt, dass ich mich als Lehrerin gut genug in Feld und Wald auskenne und es den Kindern lebendig vermitteln kann. Ich starre wie gebannt auf den Link, über den ich im Internet gestolpert bin: 'Gemeinsam Jagd erleben'. Das ist meine Chance, da mache ich mit! Ich bin fasziniert, kontaktiere den Landesjagdverband Baden-Württemberg. Zurück meldet sich Anika Klein.
Mit Anika habe ich dann einen regen Nachrichtenaustausch zur Terminabsprache. Und dann ist es soweit: Mein Rucksack ist gefüllt gemäß ihrer Packliste. Ab in den Wald! Um 15 Uhr erreiche ich mein Ziel und die Begrüßung fällt sehr herzlich aus, besonders von Haiduc, einem aufgeweckten Vizsla-Rüden und später auch von Hattyú, der anfänglich zurückhaltenden Hündin. Während Plausch und Getränk auf der Terrasse klingelt plötzlich Anikas Handy. Es ist ein Jagdkollege. Da alle anderen Hundeführer noch unterwegs seien, soll sie mit ihrem Hund eine Nachsuche auf ein Wildschwein machen, das an einem Maisfeld beschossen wurde und in den Wald verschwunden ist. Nach kurzer Nachfrage von Anika und dem Einwand, dass sie einen Gast hat, sagt sie die Nachsuche zu.

zwei Frauen im wald mit Jagdhund © gemeinsam Jagd erleben

'So, unser eigentlicher Plan entfällt. Wir haben eine Nachsuche von einer Wildsau, laut dem Jagdleiter eine eindeutige Totsuche', sagt Anika. 'Da kannst du mit.' Totsuche? Das heißt, die Sau wurde tödlich getroffen, ist aber trotzdem nach dem Schuss noch einige Meter gelaufen und im Unterholz verschwunden. Mir schlägt das Herz bis zu den Ohren. So aufregend hätte ich mir den Tag nicht vorgestellt. Gespannt verfolge ich Anikas Vorbereitungen und höre ihre Anweisungen. Sie packt konzentriert ihren Rucksack. Die Waffe, Munition und Messer. Jetzt sind die Hunde an der Reihe. Sie bekommen ihr Signalhalsband mit Telefonnummer und Namen. Frisches Wasser wird ins Auto geladen. Wir sollen direkt zum Hochsitz fahren, dort ist die Anschussstelle mit einem Handschuh markiert. Nach einer kurzen Autofahrt erreichen wir die beschriebene Stelle, die Hunde zeigen sich schon freudig aufgeregt, sie wissen jetzt wird gleich gearbeitet. Ich packe noch schnell den Fotoapparat für das obligatorische Selfie aus, während die Hunde sich etwas wundern, dass es noch nicht los geht. Dann reicht mir Anika zuversichtlich die Schleppleine von Haiduc.

Frau mit zwei Jagdhunden im Wald © gemeinsam Jagd erleben

Ich soll nun mit Haiduc suchen? 'Er zeigt dir den Weg. Vertraue ihm,' sagt Anika. Meine Anspannung steigt ins Unermessliche. Nach einer kurzen Strecke verstehe ich auch seine Körpersprache. Er ist hochkonzentriert und prüft seinen eingeschlagenen Weg. Rasant geht es über Stock und Stein durch den Wald. Gelegentlich soll ich Haiduc auf Geheiß von Anika etwas bremsen, da er mit erhobener Nase Luft zieht. Kurzzeitig verliert Haiduc die Fährte, wie gehen ein Stück zurück. Auf einmal stürzt Haiduc sich auf eine frische Spur und bellt laut. Ein Hase schreckt direkt vor uns aus einer Dickung auf und flieht. Hattyú, die bislang neben Anika her getrottet ist, findet den Weg zur Fährte und bleibt ihr treu und findet das Wildschwein zuerst. Als ich auch mit Haiduc davor stehe, stutze ich. Es sieht komisch aus, gar nicht 'echt'. Ich schaue Anika fragend an, die lächelt nur.
'Suchenheil', wünscht sie mir zu meiner ersten nachgesuchten Wildsau. 'Das war alles für dich vorbereitet. Der Anruf vom Jäger, die Fährte - wir wollten Dir einen möglichst reellen Eindruck vermitteln, was es bedeutet, Jäger zu sein. Und wie unentbehrlich unsere vierbeinigen Jagdhelfer für uns sind. Du solltest es nicht nur erleben, sondern fühlen können, mit allen Sinnen.' Die Hunde sind entspannt, wedeln freudig und freuen sich über die mitgebrachte Belohnung und den vollen Wassernapf. Ich bin beeindruckt von den beiden und im ersten Moment erleichtert, dass unser Schwein schon lange tot ist.
Heute habe ich mich völlig auf einen fremden Gefährten verlassen, ihm vertraut und bin ans Ziel gelangt. Ein Tag, der mein Leben verändern wird? Ich bin Diana. Und aus 'Jäger' wird 'Jägerin' werden. Gast: Diana (29) (Beruf: Lehrerin), Jägerin: Anika (38) (Beruf: Industriekauffrau)


Gemeinsam Jagd erleben - Autor Gemeinsam Jagd erleben ist eine Aktion für Öffentlichkeitsarbeit der dlv-jagdmedien und des DJV.
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