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Gemeinsam Jagd erleben!

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Montag, 13.05.2019 - 15:29
Zwei Frauen posieren für Foto © gemeinsam Jagd erleben

Die Aktion: Gemeinsam Jagd erleben

Hatten Sie schon einmal einen Nichtjäger mit auf dem Hochsitz? Oder haben Sie als Nicht-Jäger Ihrem Nachbarn, der Jäger ist, schon einmal beim Kitzesuchen, dem Hochsitzbau oder beim Bestellen des Wildackers geholfen? Wenn Sie die Fragen mit 'ja' beantworten können, dann wissen Sie, dass der Gast die Jagd plötzlich mit ganz anderen Augen sieht. Bitte lassen Sie uns an diesem Erlebnis teilhaben. Denn bestimmt hat Ihr Begleiter festgestellt, dass noch viel mehr zum Weidwerk dazu gehört, als Wild zu erlegen: Jagd ist Vielfalt. Jagd ist Naturerlebnis. Jagd ist Einklang mit der Natur. Jagd ist Liebe zur Natur. Und natürlich nutzen Jäger die Natur - und zwar schonend und nachhaltig. Warum also die Jagd nicht gemeinsam erleben und davon berichten!

Möglichkeiten gibt es viele. Wie wäre es beispielsweise mit einem Ansitz auf den Maibock? Denn dem Zauber eines erwachenden Morgens oder den goldenen Abendstunden kann sich kein echter Naturfreund entziehen. Aber auch die Beizjagd und die Hundeausbildung im Revier sind geeignet, Nichtjägern das Waidwerk nahezubringen und mit Vorurteilen aufzuräumen.

Worauf Jäger und Nichtjäger bei der Aktion 'Gemeinsam Jagd erleben' achten müssen und wie sie sich richtig vorbereiten, haben wir in den Broschüren 'Leitfaden für Jäger' und 'Mit dem Jäger unterwegs' zusammengestellt. Die Broschüren können im 5er-Pack beim Deutschen Jagdverband (Tel. 030-2091394-23, Pressestelle@jagdverband.de) gegen 4 Euro Portogebühr bestellt werden. Große Bestellmengen können auf Anfrage geliefert werden.

Vorbereitung

Haben Sie schon eine Idee, wer sich über eine Einladung auf den Hochsitz freuen würde? Dann verlieren Sie keine Zeit und laden Sie ihn oder sie gleich ein! Oder fragen Sie ­einfach im ­Bekanntenkreis (Familie, ­Arbeit, Sportverein, alte Schulfreunde etc.) wer Lust hat, einmal mit anzusitzen, um Fuchs, Reh oder Wildschwein zu beobachten und die Jagd besser kennenzulernen.
Erwähnen Sie dabei, dass danach vor der Jagdhütte (wenn vorhanden) gefrühstückt (Morgenansitz) oder leckeres Wildfleisch ­gegrillt
(Abendansitz) wird. Das macht auch müde Kandidaten munter. Versprochen!

Grundvoraussetzung für die Durchführung von 'Gemeinsam Jagd erleben' ist ein interessierter Gast. Denn Ziel ist es, dass der Gast am Ende des ­Tages einen Einblick in die verschiedenen ­Aspekte des Weidwerks ­erhalten hat.
Versuchen Sie nicht, bekennende Jagd­gegner zu bekehren! Das wird Ihnen nicht gelingen.

Die Ausrüstung

Die meisten Nichtjäger wissen in der Regel nicht, was Mann oder Frau bei der Jagd tragen sollte. Daher ist es wichtig, dem Gast genau zu erklären, wie der Ansitz verlaufen wird und was er tragen sollte. Denken Sie daran, dass es selbst im Mai manchmal noch empfindlich kalt werden kann. Nichts ist schlimmer, als bei dem ersten Ansitz zu frieren wie ein Schneider.
Daher gilt es, lieber eine Fleecejacke oder ­Decke mehr als zu wenig mitzunehmen. Sollte der Gast keine passende Bekleidung besitzen, dann sollten Sie ihm welche leihen oder beschaffen.

Hochsitz

Wählen Sie einen Hochsitz mit schönem Ausblick aus. Setzen Sie sich im Zweifel ein paar Tage vorher dort an, um Wild zu bestätigen. Denn sichere Wildbeobachtung trägt zum Erfolg der Aktion 'Gemeinsam Jagd erleben' bei.
Sie wollen Ihren Gast ja nicht drei Stunden auf einen blanken Acker schauen lassen. 
Prüfen Sie vor dem Ansitz alle Sprossen und Stützen auf ihre Sicherheit!
Im Zweifel lieber ­reparieren oder einen anderen Hochsitz wählen. Schauen Sie vor der Jagd im Inneren der Kanzel nach, ob diese frei von Insekten (Hornissen, Wespen, Fliegen) und Nagern (Siebenschläfer, Mäuse) ist. Und natürlich sollte ausreichend Platz für Sie und Ihren Gast sein!

Wild

Haben Sie Anblick, dann nehmen Sie sich mit Ihrem Gast die Zeit, das Wild in Ruhe anzusprechen. Erklären Sie beispielsweise, wie man im Mai ein Schmalreh von einer Ricke oder einen Jährling von einem mehrjährigen Bock unterscheiden kann. Vergessen Sie dabei nicht zu erwähnen, dass Rot- oder Damwild andere Wildarten sind. Viele Menschen glauben heute immer noch, dass das Reh die Frau vom Hirsch ist. Nichtjäger interessieren sich zudem für Marder, Fuchs, Waschbär, Wildschwein oder Wolf. Als ­Jäger besitzen Sie das nötige Wissen, um Ihrem Gast die wichtigsten Fragen zu beantworten. Erzählen Sie, welche Wildarten und seltene Singvögel bei Ihnen im Revier heimisch sind. 

Jägersprache

Die Jägersprache ist ein hohes Gut und sollte auch weiterhin gepflegt beziehungsweise erhalten werden. Erklären Sie daher Ihrem Gast, warum die Jägersprache verwendet wird und was die wichtigsten ­Begriffe bedeuten (Haupt, Träger, Läufe, Schalen, Schweiß etc.). Im Vordergrund steht aber, allgemein verständlich Einblicke in die Welt der Jagd zu ­geben. So kann der Gast zu Hause erzählen, was er auf dem Hochsitz alles gelernt und erlebt hat. 

Waffe und Schuss

Der sichere Umgang mit der Waffe hat wie immer oberste Priorität. Die Waffe wird grundsätzlich vor dem Auf- und Abbaumen entladen (siehe UVV-Bestimmungen). Erklären Sie Ihrem Gast, wie hoch die Sicherheitsbestimmungen für Jäger sind (Jägerprüfung, Übungsschießen, Verwahrung, Transport etc.) So bekommt er einen Eindruck davon, wie streng die Auflagen für Waffenbesitzer sind.
Klären Sie mit Ihrem Gast (bei Kindern auch mit dem Erziehungsberechtigten) vor dem Ansitz, ob er/sie damit einverstanden ist, dass Wild erlegt wird.
Am besten versichern Sie sich nochmal unmittelbar vor der Schussabgabe. Wenn der Gast unschlüssig ist, dann verzichten Sie besser darauf. Beim nächsten Mal ist er vielleicht eher dazu bereit. Für Jäger gehört das Erlegen eines Stückes zum Handwerk. Vielen Menschen ist dieser Vorgang jedoch fremd. Das sollte man tolerieren.  Wenn ein Stück erlegt werden soll, dann achten Sie (wie immer) darauf, dass es ein blitzsauberer Schuss wird.

Kitze retten, Bäume pflanzen

Neben dem gemeinsamen Ansitz gibt es noch weitere Möglichkeiten, einem Gast die Jagd näherzubringen. Eine gute Möglichkeit ist beispielsweise die Kitzrettung im Mai/?Juni. Dabei ist es möglich, gleich mehrere Jagdinteressierte einzuladen. Während der Suche haben Sie die Möglichkeit, den Gästen den Sinn der Jagd darzulegen. Wenn Sie Bäume oder Sträucher im Revier pflanzen, einen neuen Wild­acker oder Blühstreifen anlegen, dann sollten Sie auch jemanden dazu einladen. Bei kaum einer Arbeit wird deutlicher, dass Jagen mehr ist, als Tiere zu erlegen. Oder wie wäre es mit einer gemeinsamen Müllsammelaktion im Revier?

Der erste Ansitz

Mithilfe von Hochsitzen ist es möglich, Wild zu beobachten, ohne dass es den Menschen wahrnimmt - vorausgesetzt, dass der Wind passt und man sich ruhig verhält. Denn Wildtiere haben sehr scharfe Sinne. Beim Aufbaumen (Erklimmen des Hochsitzes) sollten Sie vorsichtig sein - vor allem, wenn es feucht ist. Aber keine Angst: Ihr Gastgeber erklärt Ihnen, wie Sie die Leiter heil hoch und wieder herunter kommen. Achtung: Ohne die Erlaubnis des Jägers dürfen Hochsitze nicht benutzt werden (Unfallgefahr).

Tipp

Nutzen Sie die -Chance und nehmen Sie eine Einladung ins Jagdrevier an. Denn bei der Aktion 'Gemeinsam Jagd erleben' haben Sie die Chance, dem Wild ganz nah zu sein und Interessantes über die Jagd zu erfahren.

Richtig ausgerüstet

Um das Wild genau beobachten zu können, ist es ratsam, ein Fernglas mitzunehmen. Damit Sie vom Wild nicht entdeckt werden, sollten Sie dunkle Bekleidung tragen, die nicht raschelt. Gut geeignet sind grüne und braune Töne. Ein Hut oder eine Kappe hilft, das helle Gesicht zu verbergen. Da es am Abend schon mal frisch werden kann, sollten Sie immer eine zusätzliche Fleecejacke oder eine dünne Decke im Gepäck haben. Ihre Schuhe sollten robust und wasserdicht sein - je nach Jagdrevier und Witterung. Ihr Jäger berät Sie diesbezüglich gern.

Mitnehmen

  • Passende Bekleidung (je nach Witterung und Jagdart)
  • Festes Schuhwerk (Stiefel, Wanderschuhe oder Ähnliches)
  • Mütze
  • Handschuhe
  • Sitzkissen
  • Fernglas (eventuell leihen)
  • Gehörschutz
  • Kamera oder Smartphone (für die Dokumentation) 

Tipp

Besorgen Sie sich ein Insektenschutzmittel, um nicht von 'Plagegeistern' zerstochen zu werden. 

Fakten zu Jagd und Jägern

In Deutschland leben knapp 370.000 Jägerinnen und Jäger, die sich für Wild und zahlreiche bedrohte Arten einsetzen. Pro Jahr werden von Jägern rund 3.600 Hecken mit einer Gesamtfläche von 820 Hektar angelegt und gepflegt. Die Fläche der von Jägern angelegten und gepflegten Teiche beträgt in der Summe 1.700 Hektar. Das entspricht der Größe der Insel Amrum. Zudem pflegen Jäger Wildäsungsflächen mit einer Gesamtfläche von 35.000 Hektar.

Jäger sind die einzigen Naturschützer mit staatlicher Prüfung (mindestens 120 Pflichtstunden).Wildbret (Wildfleisch) gehört zu den gesündesten Lebensmitteln, denn es ist reich an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen.Pro Jahr werden in Deutschland  20.000 Tonnen heimisches Wildfleisch in Form von Braten, Schinken oder Würsten verzehrt. Ohne die Bestandsregulierung durch die Jagd käme es zu beträchtlichen Schäden in der Land- und Forstwirtschaft.

Das Durchschnittsalter der angehenden Jäger in Deutschland liegt bei 36 Jahren. Davon sind knapp 20 Prozent Frauen - Tendenz steigend. Um auf die Jagd gehen zu dürfen, müssen Jäger anspruchsvolle Prüfungen bestehen. Die wichtigsten Fächer sind Waffenkunde, Jagdrecht, Fleischhygiene, Wildbiologie und Jagdkunde. Im Frühjahr (Mai, Juni) suchen Tausende Jäger vor der Mahd die Wiesen ab, um Rehkitze vor den meist tödlichen Mähwerken zu retten. 
 

Damit aus einer Aktion, die Freude machen soll kein Verdruss entsteht, sollten wichtige Dinge vorab geklärt und schriftlich festgehalten werden. 

1. Foto-/Video- Bildrechte

Stimmen Sie sich vor der Veröffentlichung unbedingt mit dem Jagdgast ab! Nur wenn dieser mit Foto-/Film-Aufnahmen einverstanden ist, kann das Material auch bei 'Gemeinsam Jagd erleben' eingereicht, bzw. überhaupt veröffentlicht werden.


2. Mit Kindern im Revier

Wenn Sie mit Kindern ins Revier wollen, müssen Sie unbedingt das schrift­liche Einverständnis der ­Eltern (Erziehungsberechtigten) einholen.
Auch hier gilt es über beabsichtigte Foto-/Film-Aufnahmen aufzuklären und deren Weiterverwendung abzuklären.


3. Wenn die Presse anfragt

Falls die Presse bei Ihnen zum Projekt 'Gemeinsam Jagd erleben' anfragt, oder Sie selbst Interesse daran haben, dass in der (Lokal-)Presse ein Bericht über Ihre Aktion erscheint, sollten Sie die Veröffentlichung sauber vorbereiten.