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Faszination Beizjagd

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Donnerstag, 01.01.2015 - 10:59
zwei Männer auf Feld mit erlegtem Vogel © gemeinsam Jagd erleben

Wir sind uns von Anfang an sympathisch und haben einen ähnlichen Humor. Es bedurfte nicht vieler Worte um zu realisieren, dass er der Jagd mit seinen Falken auf Rabenkrähen mit voller Passion und Hingabe nachgeht. Das machte mich neugierig. Seiner Einladung folgend ihn mal einen Tag lang auf der Beizjagd zu begleiten kam ich mit großer Freude nach. Am verabredeten Treffpunkt wartete Falk Hennigs schon mit 'Jacky' und 'Nasira', so heißen seine beiden Wanderfalken. Noch nie habe ich einen, geschweige denn zwei Wanderfalken aus solcher Nähe betrachten können. Die messerscharfen Krallen und der starke Schnabel flößten mir schon ordentlich Respekt ein. Umso verwunderter war ich, wie vorsichtig die Falken im Umgang mit ihrem Falkner waren. Seelenruhig sitzen die beiden Wanderfalkendamen im Auto und warteten auf ihren Einsatz.

Bevor es jedoch zur Jagd auf Rabenkrähen ging, füllten wir noch Futter in einigen Rebhuhnfütterungen nach. Obwohl diese in NRW nicht bejagdt werden dürfen, kümmern sich Jäger um diese bedrohten Feldhühner. Das überraschte mich. Schnell lernte ich, dass Jagd doch viel mehr ist, als ich mir bisher vorstellen konnte. Falk Hennigs erklärte mir, warum die Jagd auf Raubtiere wie Fuchs, Marder, Waschbär etc. heute so wichtig geworden ist. Deutlich spüre ich, dass er enormen Respekt vor diesen Tieren hat, aber zum Wohl der bedrohten Arten die intensive Jagd zur Zeit einfach als erforderlich ansieht. Absolut schlüssig, wenn man ihn mal einen Tag im Revier begleitet hat und sich seine Bemühungen um bedrohte Arten anschaut.

Die Beizjagd war schon fast zur Nebensache geworden, da ich ständig auf Situationen in der freien Natur hingewiesen wurde, die sich gerade vor uns abspielten. Je mehr Zeit verging, desto besser und schneller erblickte ich das eine oder andere Tier bzw. deren Verhalten in freier Wildbahn. Doch dann sahen wir einen Rabenkrähenschwarm, der auf den Feldern nach Futter suchte. In etwa 100 Metern Entfernung zum Schwarm befand sich eine kleine Baumgruppe. Laut Falk Hennigs eine sehr gute Gelegenheit für den Falken Beute zu machen. Er schilderte mir, dass die Krähen vor dem Falken in die Bäume flüchten werden, der Falke hoch in den Himmel über die Krähen fliegt und darauf wartet, dass wir dem Falken eine oder mehrere Krähen rausscheuchen. Eine gute Gelegenheit den atemberaubenden Jagdflug eines Wanderfalken mit meiner Videokamera festzuhalten. Jacky jagte die Krähen an, 'schraubte' sich hoch in die Lüfte und wartete bis wir ihr eine Krähe aus den Bäumen scheuchten. Alleine das hätte ich schon nicht für möglich gehalten, dass ein Greifvogel mit seinem Falkner so ein Team bildet um gemeinsam Beute zu machen. Wir rannten zu der Baumgruppe und scheuchten eine Krähe raus. Unmittelbar vor mir klatschte es plötzlich so laut, als ob jemand mit voller Wucht in die Hände klatscht. Doch dies war die Wucht des Falken mit der er aus dem Himmel auf seine Beute stieß. Unvorstellbar und nur für den nachzuempfinden, der dies mal erleben durfte. Gerade bin ich also Zeuge einer fantastischen, erfolgreichen Jagd mit Falken auf Rabenkrähen geworden. Wir hockten uns neben den Falken und seiner Beute. Ein bewegender und emotionaler Moment, da die Faszination des herrlichen Wanderfalkenfluges und der Respekt vor der erbeuteten Krähe hautnah gegenwärtig war. Da fiel mir nach einiger Zeit der Besinnung meine Videokamera wieder ein. Nichts habe ich aufgenommen. Ich war von der Situation völlig überwältigt und plötzlich so eingebunden, dass ich keinen Gedanken an das Filmen verschwendet hatte. Zum Schluss durfte ich 'Jacky' samt Beute auf die Hand nehmen und während eines wunderschönen Sonnenunterganges Richtung Auto tragen. In diesem Moment wurde mir klar, Jagd ist völlig anders als man hierzulande häufig hört oder liest. Dieser respektvolle Umgang mit und in der Natur ist etwas ganz besonderes. Ich möchte Falk Hennigs vom Verband Deutscher Falkner NRW an dieser Stelle ganz besonders für dieses unvergessliche Erlebnis danken!