31.07.2015

Streitfrage NZG

Im PIRSCH-Artikel 'Licht ins Dunkel' (Ausgabe 14/2015) geht es um das Thema Nachtzieltechnik. Begleitend dazu finden Sie hier weitere Informationen sowie eine Auflistung der Vor- u. Nachteile.

Flcuh oder Segen: Was bringt uns die Nachtzieltechnik?

Die Rechtsgrundlagen

Jagdrecht: Das Bundesjagdgesetz verbietet beim Erlegen von Wild die Verwendung von Nachtzielgeräten, die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen und für Schusswaffen bestimmt sind (§ 19 Abs. 1 Nr. 5 a BJagdG). Ein etwaiger Verstoß ist bußgeldbewehrt. Die Untere Jagdbehörde kann das Verbot des § 19 Abs. 1 Nr. 5 a BJagdG durch Einzelanordnung aus besonderen Gründen einschränken (Art. 29 Abs. 5 Satz 2 i.V. m. Art. 49 Abs. 1 und 2, Art. 52 Abs. 3 BayJG).

Waffenrecht: Nach dem Waffengesetz (§ 2 Abs. 3 i.V. m. Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.2.4.2. WaffG) ist der Umgang mit für Schusswaffen bestimmten Nachtsichtgeräten und Nachtzielgeräten mit Montagevorrichtung für Schusswaffen sowie Nachtsichtvorsätze und Nachtsichtaufsätze für Zielhilfsmittel (z.B. Zielfernrohr), sofern die Gegenstände einen Bildwandler oder elektronische Verstärkung besitzen, verboten. Der Verstoß ist ein Straftatbestand.
Die o.g. Waffen sind jedoch keine Kriegswaffen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Zulassung von Ausnahmen vom Umgangsverbot allgemein oder für den Einzelfall durch das BKA ist nach § 40 Abs. 4 Satz 1 WaffG auf Antrag möglich.
JD

Die Vor- und Nachteile

Pro
Contra
Erlaubt werden nur legal zu erwerbende Nachtsichtgeräte (Vorsatzgeräte), die mit einem Adapter vorne auf das Zielfernrohr gesteckt werden 
Militärisches Gerät und nach Waffengesetz verbotener Gegenstand
Ausnahmegenehigung wird nur für die Schwarzwildbejagung erteilt
Illegale Verwendung auf weitere Wildarten
Nachtzieltechnik erlaubt ein besseres erkennen, ansprechen und damit eine sichere Schussabgabe. Daraus ergibt sich i.d.R. eine besser Trefferlage, was zu weniger Nachsuchen führt.
Nicht tierschutzgerecht
Nachtsichtoptik erlaubt das genaue Erkennen und Unterscheiden von Menschen, Wild, Haus- Nutztieren sowie des Umfeldes.
Erhöhte Gefährdung Dritter
Nachtjagd auf Schwarzwild (und Füchse) schon jetzt sehr intensiv.
Zusätzliche Störung der Nachtruhe des Wildes
Niemand kann gezwungen werden, Nachtsichtgeräte zu erwerben und den entsprechenden Antrag für eine Ausnahmegenehmigung zu stellen.
Landwirte können Jäger zur Nachtjagd 'zwingen'

 

Argumente gegen Vorbehalte

Ein Zielfernrohr mit Vorsatzgerät: Letzteres ist frei verkäuflich.
Vorwurf: Militärisches Gerät
 
Stimmt nicht, denn: Nur legale, bereits jetzt von Jägern zum Beobachten von Wild eingesetzte Nachtsichtgeräte sollen verwendet werden. Diese werden mit einem Adapter vorne auf das Zielfernrohr gesteckt (sog. Vorsatzgeräte). Solche Geräte können bereits jetzt von jedermann frei erworben werden.Nur ein 'Zusammenstecken' soll per Ausnahmeregelungen erlaubt werden. Originäre Nachtzielgeräte - von Haus aus verbotene Gegenstände - werden ausgeschlossen.
 
Befürchtung: Illegale Verwendung
 
Nicht zu befürchten, denn: Jäger werden bereits mit Lösen des Jagdscheins auf Zuverlässigkeit geprüft. Es ist daher davon auszugehen, dass die Jäger rechtskonform mit dieser Technik umgehen.Die Ausnahmeregelungen sollen ausschließlich für die Schwarzwildjagd gelten. Zudem ist, bis auf den Fuchs, die Nachtjagd auf alles andere Wild verboten.
 
Vorwurf: Nicht waid- und tierschutzgerecht
 
Stimmt nicht, denn: Wildschweine können mit NZG optimal erkannt und angesprochen werden (fast so perfekt wie am Tage).Nicht nur das Wildschwein, sondern die gesamte Umgebung kann besser beobachtet werden.Die Trefferlage der Schüsse ist deutlich besser. Dies sorgt für weniger Nachsuchen und vermeidet so unnötige Qualen des Wildes (Tierschutz).Saubere Schüsse garantieren eine optimale Wildbretverwertung.
 
Vorwurf: Erhöhte Gefährdung Dritter
 
Genau das Gegenteil ist der Fall: Nach aktuellen Erkenntnissen erhöht der jagdliche Einsatz von NZG die Sicherheit für Dritte (Beobachtung des Hintergrundes). Die Geräte erlauben das genaue Erkennen und Unterscheiden von Menschen, Wild-, Nutz- und Haustieren. Beeindruckende Darstellungen des Bayerischen LKA, insbesondere Bilderserien zur Wahrnehmung des Umfeldes bei Verwendung von Nachtzieltechnik belegen den enormen Sicherheitsgewinn (siehe unten im Kasten 'Quellen').
 
Vorwurf: Schadet dem Ansehen der Jagd
 
Stimmt nicht, denn: Die Schwarzwildproblematik betrifft zunehmend die breite Bevölkerung (Übergriffe auf Jogger und Passanten, Beeinträchtigung Straßen- und Bahnverkehr, Eindringen in Städte). Die Bürger erwarten von der Jagd, diese Probleme auch durch neue Methoden schnell in den Griff zu bekommen.
 
Vorwurf: Zusätzliche Störung der Nachtruhe von Wildtieren
 
Stimmt nicht, denn: Schon jetzt werden zwei Drittel der Wildschweine nachts erlegt und auch Füchse werden nachts bejagt.
JD
 

Schweizer Studie belegt Effizienz der Nachtjagd

Flcuh oder Segen: Was bringt uns die Nachtzieltechnik?
Was spricht für den Einsatz von NZG? Beim Expertenhearing des StMELF konnte der Vertreter aus dem Kanton Thurgau, Dr. Hannes Geisser, an Hand amtlicher Zahlen über die Abschüsse und Abschussbedingungen im Zeitraum von 20 Jahren den Effekt beim Einsatz von Nachtzietechnik belegen (S. 249 ff des anl. Berichts zum Hearing). Demnach stiegen mit den Ausnahmebewilligungen für NZG die getätigten Abschüsse. Im Jagdjahr 2013/14 wurden mit NZG etwas über 30 Prozent der Gesamtstrecke erzielt. Geisser zieht nach Abwägung aller Faktoren der Schwarzwildjagd in der Zusammenfassung die Schlussfolgerung, dass es aufgrund der geringen Tagesaktivität der Wildschweine unwahrscheinlich ist, dass alle Abschüsse mittels NZG mit Abschüssen bei Tage bzw. bei guten Mondbedingungen hätten kompensiert werden können. Dies bedeutet, dass durch den Einsatz von NZG mehr Wildschweine erlegt werden konnten.
Zu der gelegentlich zitierten Studie aus dem Kanton Aargau ist zu bemerken, dass sich die Einschätzung lediglich auf vier Schadensschwerpunktgebiete, in denen zwei Waffensysteme zum Einsatz kamen, bezogen. Statistisch abgesicherte Daten konnten nicht erhoben bzw. aufbereitet werden. Auch bei weiteren Recherchen wie zum Beispiel in USA, Australien, Tschechien etc. finden sich entsprechende Einschätzungen zum Einsatz von NZG bei der Schwarzwildjagd.
JD
 


KOMMENTAR ARCHIVIEREN DRUCKEN _______________________________________

Kommentare

Sie können diesen Artikel kommentieren und mit jagderleben.de-Lesern und der Redaktion über das Thema diskutieren. Zum Kommentieren bitte anmelden.

Kommentare

02. August 2015 um 13:22 Uhr | von Ruedemann

Wildtiermanager statt Jäger

Nachdem der Begriff der 'Weidgerechtigkeit' von der öffentlichen Diskussuion schon fast geächtet ist, sollten wir jetzt den nächsten Schritt tun und den Begriff der 'Jagd' und des 'Jägers' eliminieren. Wer sein Revier nur noch mit Fotofallen, vernetzten Alarmgeräten für Kirrungen und Fallen sowie Nachtsicht- und Nachtzielgeräten bewirtschaften kann, der ist eben kein 'Jäger' mehr, sondern 'Wildtiermanager'. Auch ist die Jagd dort keine Jagd mehr, sondern 'Wildtiermanagement'. Fehlende Fähigkeiten, unzureichende Fertigkeiten, werden einfach durch Technik ersetzt.... Und Spaß muss diese Form der Freizeitgestaltung ja ohnehin nicht mehr machen, das war ja eh' ohnehin nur verdächtig...




Anzeige
JAGDWETTER
Deutschland Österreich Schweiz Wetter Mondlicht Österreich Mondlicht Deutschland Mondlicht Schweiz Aussichten für Deutschland, Österreich und die Schweiz - reviergenau, tagesaktuell Deutschland Österreich Schweiz 4° 9° 7°
Anzeige
Anzeige
BILDERSERIEN

Auf Fuchs am Nordkap

Das Vorankommen war nicht immer einfach... Foto: Carina Greiner-Kaiser Der Strand bot die besten Gelegenheiten.Wir pirschten tglich die Hotspots an. Foto: Carina Greiner-Kaiser Foto: Carina Greiner-Kaiser Thomas mit seiner Emma. Foto: Carina Greiner-Kaiser Da liegt unser Nordkapfuchs! Foto: Carina Greiner-Kaiser Abschalten, auf die wichtigen Dinge konzentrieren und zu sich selbst finden waren die Ziele dieser Reise. Foto: Carina Greiner-Kaiser Gemeinsam zu essen ist im hohen Norden Usus. Foto: Carina Greiner-Kaiser Gleich am ersten Abend klappte es fr uns mit dem ersten Fuchs. Foto: Carina Greiner-Kaiser Die Gegend ist geprgt von rauer Schnheit. Foto: Carina Greiner-Kaiser Fuchsschmalz hat wrmende Eigenschaften und lsst sich einfach verarbeiten. Foto: Carina Greiner-Kaiser Die vermengten Zutaten fr das Fuchsbalsam. Foto: Carina Greiner-Kaiser Zum Abschluss der Reise zeigte die Natur uns nochmal, wer unsere Wege bestimmt. Foto: Carina Greiner-Kaiser Das Sami-Armband mit Fuchshaken verziert, symbolisiert die raue Gegend. Foto: Carina Greiner-Kaiser Ein typisches Armband der Samen, komplementiert mit Haken eines Rotrocks. Foto: Carina Greiner-Kaiser Aus den Haken und einer Klaue fertigte Isabel ein Kollier und passende Ohrringe. Foto: Carina Greiner-Kaiser Die traumhafte Landschaft Nord-Norwegens macht das Abschalten vom Alltag leicht. Foto: Carina Greiner-Kaiser

Bilder von der Hirsch-Rettung

Drahtgeflecht fhrte dazu, dass sich die Kontrahenten verkmpften. Foto: Loitfellner Vorsichtig nherte sich der erfahrene Jger den Tieren. Foto: Loitfellner Der Grnrock kannte die Geweihten durch die sechs monatige Winterftterung. Foto: Loitfellner Glcklicherweise beruhigte sich der noch lebende Hirsch... Foto: Loitfellner ... als der Waidmann auf ihn einredete und an den Stangen fasste. Foto: Loitfellner Wieder frei wechselt das Stck in seinen Einstand zurck. Foto: Loitfellner Dem anderen war durch die Befreiungsversuche wohl das Rckgrat gebrochen. Foto: Loitfellner

1. uJ-Keiler-Cup

Andreas Telm (l.) und Frank Luck bei der Ansprache. Foto: FS Sehenswert: Pokal des 1. uJ-Keiler-Cup. Foto: FS Die Hauptpreise: Zeiss Victory V8 1,1-8x30, Mercury Bchse und Steiner MRS sponsored by Frankonia, Zeiss Fieldshooting Event 2017 in Ulfborg und ein individuell gravierters Puma-Messer Saubart. Foto: FS In der 25-Meter-Duelhalle mussten die Schtzen ihr Knnen mit dem FLG unter Beweis stellen. Foto: FS Zwischen den Disziplinen war Zeit, um sich auszutauschen. Foto: FS Zufriedene Teilnehmer des 1. uJ-Keiler-Cup. Foto: FS Konzentriert lauschen dieses beiden Schtzen der Ansprache. Foto: FS Einer der drei mit hochwertigen Preisen bestckten Tische. Foto: FS Die Blaser R8 Professional Success mit Schalldmpfer weckte das Interesse der Schtzen. Foto: FS Mithilfe der uJ-Organscheibe wurden auf der 100-Meter-Bahn die Treffer ausgewertet. Foto: FS Gemtliches Puschen zwischen den Disziplinen. Foto: FS Frankonia und Steiner traten nicht nur als Sponsoren auf, sie prsentierten den Teilnehmern vor Ort Produkte. Foto: FS
JOBS DER WOCHE
Alle Stellenangebote anzeigen
BRANCHENBUCH