14.03.2017

Digitaler Werkzeugkasten

Mittlerweile nutzen mehr als die Hälfte aller Deutschen ein Smartphone. Dabei ersetzen die technischen Alleskönner vom Navi über Kameras bis hin zum Festnetz-Telefon so einiges. Durch die sogenannten Apps lassen sich die Anwendungsmöglichkeiten fast beliebig erweitern - unter anderem auch für die Jagd.

Die Ansprechhilfen können noch vor Ort zum Einsatz kommen.
Vor dem Jagen steht das Lernen, das weiß jeder, der das 'Grüne Abitur' abgelegt hat. Und wer kann sich nicht an Bücher und Ordner voll mit Lernmaterial erinnern? Ganz im Gegenteil zum Smartphone, das die meisten sowieso immer dabei haben, kann man diese allerdings nicht überall mit hinschleppen.
Durch die digitalen Lernprogramme bietet sich dagegen die Möglichkeit, seine Unterlagen oder zumindest einen Teil immer bei sich zu haben, und das auch nach der Prüfung - denn man lernt nie aus. Um den verschiedenen Prüfungsrichtlinien nachzukommen, stellen Anbieter die Anwendungen oft spezifisch für jedes Bundesland zur Verfügung.
Auch für den praktischen Jagdalltag wird einiges an nützlichen Werkzeugen geboten. So warten beispielsweise viele der Apps mit detaillierten und verlässlichen Wetter- und Monddaten auf, die individuell für das Revier oder den eigenen Standort angezeigt werden. Manche Pirsch und mancher Ansitz könnten dadurch noch erfolgreicher werden. Auch das vergebliche Warten auf den Mond, bei einem von Wolken verhangenen Himmel, dürfte damit der Vergangenheit angehören.
Da es selbst dem erfahrensten Waidmann nicht immer leichtfällt, Wild korrekt anzusprechen - gerade bei Arten, die im eigenen Revier nicht vorkommen - bieten die Hersteller eine große Zahl an Ansprechhilfen, so unter anderem für Reh-, Rot- und Schwarzwild. Damit besteht die Möglichkeit, dass bei Unsicherheiten noch vom Hochsitz gesagt werden kann, der Schwarzkittel zum Beispiel ist alt oder jung, männlich oder weiblich.
Passende Anwendungen mit Jagd- und Schonzeiten der Länder sowie dem jeweiligen Jagdgesetz geben dann noch darüber Auskunft, ob das Stück unabhängig von der verlauteten Freigabe theoretisch erlegt werden könnte. Apps zum Erkennen von Fährten, Spuren und Federn sind dagegen nicht nur für den klassischen Revieralltag, sondern auch bei der Führung von Schulklassen oder beim Spaziergang mit den eigenen Kindern hilfreich. So kann beispielsweise eine unbekannte Feder dem Vogel zugeordnet werden, der vor einem sitzt.

Mit dem Smartphone Blatten lernen

 
Das Smartphone hilft die Situation am Anschuss richtig einzuschätzen.
Auch für den Fall, dass mal nichts in Anblick kommt, lässt sich mit Apps vorsorgen, zumindest für die Blattzeit, die Jagd auf Reineke, Schwarzkittel und einiges Flugwild - und zwar mit Lockjagdtrainern. Der große Vorteil dabei, man muss nicht lesen, wie die Hasenklage oder der Fieplaut der Geiß klingen soll, sondern kann ihn sich anhören und versuchen, das Gehörte nachzuahmen. Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister, und eine Garantie, dass etwas anwechselt, die gibt es auf der Jagd nicht.
Vom Ballistikrechner bis hin zur Auswertung des jagdlichen Übungsschießens mit eigener Leistungskurve ist auch für die besonders Ausrüstungs­affinen etwas in der breiten Masse der Jagdsoftware zu finden. Zusätzlich gibt es natürlich auch Apps der einschlägigen Auktionsplattformen und Ausrüstungsvertriebe. Aber auch für die, die mit Absehenschnellverstellung und Camouflage nichts am Hut haben und sich eher dem traditionellen Brauchtum verschrieben haben, ist etwas dabei. So zum Beispiel Übungsprogramme für Jagdhornsignale oder ein Lexikon mit Jägersprache. Den Hundeführern stehen für ihre treuen vierbeinigen Jagdbegleiter vor allem Anwendungen der verschiedenen Hersteller von Ortungstechnik zur Verfügung.
Nicht nur für Nachsuchenführer geeignet ist dagegen die einzigartige Pirschzeichen-App. Sie hilft bei der Kontrolle von Anschüssen und erklärt, welcher Schweiß, welche Knochen oder Haare je nach Treffer zu finden sein müssten. Das Ganze funktioniert auch umgekehrt über ein Ausschlussverfahren und leitet so zum wahrscheinlichen Treffersitz. Außerdem wird das weitere Vorgehen im Bezug auf die empfohlene Wartezeit und den voraussichtlichen Schwierigkeitsgrad der Riemenarbeit erläutert. Ein nützliches Werkzeug also, um in einer angespannten Situation richtig zu agieren und so dem Tierschutz gerecht zu werden.
Ein Jagdtagebuch zu führen, haben sich wahrscheinlich die meisten schon einmal vorgenommen, allerdings schaffen es nur die wenigsten. Denn oft hat man nicht die Zeit, das Erlebte direkt zu Papier zu bringen. Die geplante Eintragung ist dann schnell vergessen und die Erinnerung verblasst. Mit einem digitalen Tagebuch fürs Smartphone ist es dagegen möglich, von der Erlegung bis zur Wildsichtung alles direkt vor Ort und taufrisch zu archivieren. Gegebenenfalls lassen sich auch Bilder zum Text hinzufügen, die das Geschehen noch eindrücklicher machen. Die Dokumentation kann beispielsweise auch später dazu genutzt werden, die Streckenliste am Ende des Jagdjahres zu erstellen oder eine Übersicht bezüglich des Fallwildes zu erhalten.

Von draußen auf den Teller gebracht

 
Auch für die Verwertung des gewonnenen Wildbrets stehen mehrere Helferlein bereit. Mit Hilfe eines speziellen Rechners lassen sich so unter anderem die Gewichtsanteile von Rücken, Keulen, Blättern und Träger sowie deren Verkaufspreis berechnen. Geht das Fleisch nicht an den Kunden, sondern soll in der eigenen Küche zu einem leckeren Gericht zubereitet werden, bieten verschiedene Apps eine Fülle an Wildkochrezepten.

Das Jagdrevier digital verwalten

 
Das Handy als Alternative zur sperrigen Faltkarte.
Gerade bei mehreren Pächtern, Begehern oder im Zusammenhang mit Jagdgästen ist eine Jagdkarte mit allen aktuellen Reviereinrichtungen und besonders den Jagdgrenzen unabdingbar, jedoch meist Mangelware. Denn oft steht nur eine große unhandliche Karte zur Verfügung, auf der nicht mal jeder Hochsitz eingezeichnet ist. Eine komplette Verwaltung der Jagdfläche, sei es die der großen Eigenjagd oder die des kleinen Pirschbezirks, erlauben und erleichtern dagegen diverse Apps. Je nach Wunsch hinterlegt mit einer klassischen Karte oder einem Satellitenbild, lassen sich im ersten Schritt die Reviergrenzen einzeichnen.
Im Anschluss daran erlaubt eine Palette vom Drückjagdbock über Rettungspunkte bis zum Kunstbau eine vollständige 'Einrichtung' des Reviers. Die einzelnen Punkte können dafür einfach angelaufen werden und mit GPS an den tatsächlichen Standort auf der digitalen Karte gelegt werden oder bequem von daheim aus dort eingetragen werden, wo sie sind. Wichtig dabei, neue Sitze, Kirrungen und so weiter lassen sich nicht nur kinderleicht hinzufügen, sondern auch genauso einfach wieder von der Karte entfernen, falls diese keinen Bestand mehr haben sollten. Ebenso simpel ist die Handhabung beim Verschieben von Örtlichkeiten. Eine Funktion, die gerade bei mobilen Ansitz­einrichtungen zur Zeit der Milchreife und Erntejagden wertvolle Dienste leistet.
Außerdem können bekannte Wildwechsel eintragen werden, um beispielsweise einem Gast deutlich zu machen, wo er besonders mit Anblick zu rechnen hat. Viele der Smartphone-Anwendungen zur Revierverwaltung bieten zusätzlich die Funktionen der bereits vorgestellten Jagdtagebücher. Dadurch wird es möglich, Wildsichtungen und Abschüsse direkt auf der Revierkarte dem passenden Sitz zuzuordnen.
Eines dürfte mit unserer Auflistung an verschiedenen digitalen Werkzeugen deutlich geworden sein - Jagd-Apps bieten hilfreiche und sinnvolle An­wendungsmöglichkeiten für jeden, vom Berufsjäger über den Revier­inhaber bis zum Jagdscheinanwärter.  Ebenso ehr­lich ist es zu sagen, dass einige der Programme  am Markt tatsächlich nur Spielereien sind, deren Nutzen eher beschränkt ist.
Zudem sollten wir uns über eins im Klaren sein, das Handy selbst kann nicht jagen. Es wird für uns keine ­Biotope anlegen, keine jagdlichen Einrichtungen bauen oder instandsetzen und auch kein Wild hegen. Daher sollte unsere Hauptaufmerksamkeit weiterhin nicht dem digitalen Bildschirm gewidmet sein, sondern der analogen Flora und Fauna.
 
RW
 



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Auf Fuchs am Nordkap

Das Vorankommen war nicht immer einfach... Foto: Carina Greiner-Kaiser Der Strand bot die besten Gelegenheiten.Wir pirschten tglich die Hotspots an. Foto: Carina Greiner-Kaiser Foto: Carina Greiner-Kaiser Thomas mit seiner Emma. Foto: Carina Greiner-Kaiser Da liegt unser Nordkapfuchs! Foto: Carina Greiner-Kaiser Abschalten, auf die wichtigen Dinge konzentrieren und zu sich selbst finden waren die Ziele dieser Reise. Foto: Carina Greiner-Kaiser Gemeinsam zu essen ist im hohen Norden Usus. Foto: Carina Greiner-Kaiser Gleich am ersten Abend klappte es fr uns mit dem ersten Fuchs. Foto: Carina Greiner-Kaiser Die Gegend ist geprgt von rauer Schnheit. Foto: Carina Greiner-Kaiser Fuchsschmalz hat wrmende Eigenschaften und lsst sich einfach verarbeiten. Foto: Carina Greiner-Kaiser Die vermengten Zutaten fr das Fuchsbalsam. Foto: Carina Greiner-Kaiser Zum Abschluss der Reise zeigte die Natur uns nochmal, wer unsere Wege bestimmt. Foto: Carina Greiner-Kaiser Das Sami-Armband mit Fuchshaken verziert, symbolisiert die raue Gegend. Foto: Carina Greiner-Kaiser Ein typisches Armband der Samen, komplementiert mit Haken eines Rotrocks. Foto: Carina Greiner-Kaiser Aus den Haken und einer Klaue fertigte Isabel ein Kollier und passende Ohrringe. Foto: Carina Greiner-Kaiser Die traumhafte Landschaft Nord-Norwegens macht das Abschalten vom Alltag leicht. Foto: Carina Greiner-Kaiser

Bilder von der Hirsch-Rettung

Drahtgeflecht fhrte dazu, dass sich die Kontrahenten verkmpften. Foto: Loitfellner Vorsichtig nherte sich der erfahrene Jger den Tieren. Foto: Loitfellner Der Grnrock kannte die Geweihten durch die sechs monatige Winterftterung. Foto: Loitfellner Glcklicherweise beruhigte sich der noch lebende Hirsch... Foto: Loitfellner ... als der Waidmann auf ihn einredete und an den Stangen fasste. Foto: Loitfellner Wieder frei wechselt das Stck in seinen Einstand zurck. Foto: Loitfellner Dem anderen war durch die Befreiungsversuche wohl das Rckgrat gebrochen. Foto: Loitfellner

1. uJ-Keiler-Cup

Andreas Telm (l.) und Frank Luck bei der Ansprache. Foto: FS Sehenswert: Pokal des 1. uJ-Keiler-Cup. Foto: FS Die Hauptpreise: Zeiss Victory V8 1,1-8x30, Mercury Bchse und Steiner MRS sponsored by Frankonia, Zeiss Fieldshooting Event 2017 in Ulfborg und ein individuell gravierters Puma-Messer Saubart. Foto: FS In der 25-Meter-Duelhalle mussten die Schtzen ihr Knnen mit dem FLG unter Beweis stellen. Foto: FS Zwischen den Disziplinen war Zeit, um sich auszutauschen. Foto: FS Zufriedene Teilnehmer des 1. uJ-Keiler-Cup. Foto: FS Konzentriert lauschen dieses beiden Schtzen der Ansprache. Foto: FS Einer der drei mit hochwertigen Preisen bestckten Tische. Foto: FS Die Blaser R8 Professional Success mit Schalldmpfer weckte das Interesse der Schtzen. Foto: FS Mithilfe der uJ-Organscheibe wurden auf der 100-Meter-Bahn die Treffer ausgewertet. Foto: FS Gemtliches Puschen zwischen den Disziplinen. Foto: FS Frankonia und Steiner traten nicht nur als Sponsoren auf, sie prsentierten den Teilnehmern vor Ort Produkte. Foto: FS
JOBS DER WOCHE
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