Riesiges Angebot: Rucksack-Modelle getestet

Was macht einen guten Bergjagdrucksack aus?


Dabei stehen die Testkandidaten primär für den Rucksacktyp und dessen Ausstattung und weniger für die Marke. Es kann durchaus sein, dass ein Testrucksack aufgrund seiner Bauart Schwächen bei der Bergjagd zeigt. Das kann dem Hersteller aber nicht angelastet werden, solange er ihn nicht als expliziten Bergjagdrucksack bewirbt.

Es gibt in der Fülle des Angebots viele Rucksäcke, die bestens geeignet sind für eine Tagestour mit Wildtransport. Der persönliche Geschmack ist da jedoch ebenso entscheidend wie die örtlichen Gegebenheiten. Folgende Kriterien sollten deine Wahl aber auf jeden Fall mitbeeinflussen:

Kriterien für einen guten Rucksack

  • Gewicht: Für Waffe, Munition, Ersatzkleidung, Wasser, Essensversorgung und sonstige Ausrüstung darf man um die zehn Kilogramm Gewicht veranschlagen. Jedes Extrakilo lässt uns am Berg unnötig schwitzen. Bringt ein Rucksack allein schon mehr als drei Kilogramm Eigengewicht auf die Waage, sollte man sich gut überlegen, eventuell eine Nummer kleiner zu wählen.
  • Volumen: 30 Liter Stauraum sollte der Rucksack für die Jagdausrüstung schon haben. Will man Wildbret zerwirkt transportieren, müssen es 15 bis 20 Liter mehr sein. Beim Wunsch, den ganzen Wildkörper zu transportieren, muss der Rucksack extra dafür vorgesehen sein.
  • Tragesystem: Ein gutes Tragesystem ist die Basis für  komfortables Tragen. Um optimalen Komfort zu erreichen, sollte der Rucksack individuell auf die Körpergröße des Trägers anpassbar sein. Sinn und Zweck davon ist, dass man das Hauptgewicht nicht auf den Schultern, sondern auf der Hüfte trägt. Das ist nicht nur für ein angenehmes Tragen, sondern auch für eine nachhaltig schmerzfreie Tour wichtig. Bevor man einen Rucksack zum ersten Mal verwendet,  sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen und ihn ordentlich einstellen.
  • Fixierbarkeit der Ladung: Egal wie voll der Rucksack ist, die Ladung muss mittels Kompressionsriemen oder anderer Technik immer fest zu verzurren sein. Auch wenn nur wenig geladen wurde, muss er trotzdem kompakt sein. Kann die Ladung unabhängig vom Rucksack Schwung aufnehmen, kann das den Träger aus dem Gleichgewicht bringen. Im Gebirge findet man häufig Situationen, in denen das auf keinen Fall passieren sollte.
  • Waffentransport:  Anders als bei einem halbstündigen Aufstieg zum Hochsitz planen wir bei einer Tagestour, die Waffe über viele Stunden zu transportieren. Eine Möglichkeit ist es, die Waffe geschultert zu tragen. Das sieht definitiv gut aus, ist jedoch absolut nicht ergonomisch. Kennst du jemanden, der seine Waffe mehr als zweimal die Woche geschultert führt? Bitte die Person, einmal aufrecht zu stehen und schau ihr von hinten auf die Schulterpartie. Du wirst mit Sicherheit unterschiedlich hohe Schultern entdecken. Es ist daher empfehlenswert, die Waffe für längere Transportwege formschlüssig und möglichst nahe am Körperschwerpunkt zu tragen. Kipplaufwaffen lassen sich gut zerlegen und können mit der Ausrüstung in beinahe jedem Rucksack verstaut werden. Repetierer will man meist zusammengebaut transportieren, sind jedoch eher sperrige Gepäckstücke.
  • Reinigung: Beim Wildtransport kommt jeder Rucksack irgendwann mit Schweiß in Berührung. Dann muss man ihn dementsprechend gut reinigen können.
3 Ein Schwachpunkt bei vielen Bergrucksäcken aus Leinen sind die Schnallen aus Metall: Sie können die Basküle der geschulterten Waffe zerkratzen. © Kirsten Weingarth

3 Ein Schwachpunkt bei vielen Bergrucksäcken aus Leinen sind die Schnallen aus Metall: Sie können die Basküle der geschulterten Waffe zerkratzen.

Großvaters Bergrucksack – Lange bewährt, aber mit Schwächen

Der Klassiker ist vom Bauprinzip dem Waldkauz Cervus sehr ähnlich. Das Sackmaterial ist jedoch ein Leinenstoff. Er besitzt keine Außentaschen und ist mit 50 Litern Fassungsvermögen recht groß. Es befindet sich stets ein Schlitz an der Öffnung des Sacks. Dadurch ist es möglich, ein Stück Wild (bis Gamsgröße) im Rucksack zu tragen....

... während das Haupt von außen sichtbar ist.

Der große Vorteil der klassischen Bergrucksäcke ist, dass die Trageriemen und sonstigen Lederteile relativ leicht abgenommen werden können. Der Leinenstoff ist damit in der Waschmaschine zu reinigen. Es empfiehlt sich jedoch trotzdem die Verwendung einer Schweißeinlage. Nicht nur wegen des Rucksacks selbst, sondern vor allem, um die restliche Ausrüstung vor starker Verschmutzung zu schützen. Der Leinenrucksack ist geeignet, um stilvoll Wild zu transportieren, ergonomisch ist diese Art des Transports jedoch nicht. Wer in gefährliches Gelände kommt, sollte – vor allem als Berg-Laie – lieber zu einem Modell mit modernem Tragegestell greifen. Die seitliche Fixierung der Last fehlt bei Großvaters Bergrucksack völlig. Bei Drehbewegungen kann die Ladung unabhängig vom Rucksack Schwung aufnehmen, was lebensbedrohlich sein kann!

Man sollte auch beachten, dass es Modelle des traditionellen Designs mit und ohne Metallschließen gibt. Die Metallschließen an den Trageriemen können unschöne Kratzer an den Baskülen der geschulterten Waffe hinterlassen. Wer einen solchen Rucksack erwerben will, sollte auf diese Stellen besonders Acht geben.

© Kirsten Weingarth

Eberlestock Dragonfly - Für die ganz harten Einsätze

Dieser Rucksack aus den USA ist ein dezidierter Bergjagdrucksack für Mehrtagestouren. Mit ihm ist man auf alles vorbereitet. Wer bei 47 Litern Stauraum etwas nicht dabeihat, hat falsch gepackt. Zwei Dinge machen den Eberlestock so herausragend: Der Waffentransport und die Erweiterung des Stauraums für den Wildtransport. Die Waffe wird mit dem Lauf nach unten in ein extra Fach gesteckt. Sie ist auf diese Weise...

... angenehm und geschützt zu transportieren, aber dennoch bei Bedarf relativ schnell verfügbar, indem man sie einfach nach oben herauszieht. Die Trageriemen liegen vergleichsweise weit auseinander, wodurch sich der Dragonfly eher für breitschultrige Träger eignet. Möchte man ein Stück Wild in den Rucksack legen, öffnet man einen Reißverschluss an der Front. Dieses Fach ist groß genug für ein kleines Hirschkalb und mit Netzgewebe versehen. So wird die ausreichende Kühlung des Wildbrets ermöglicht. Zwei breite Kompressionsriemen helfen dabei, die Ladung wieder zu fixieren. Viel Platz kann natürlich auch ein Nachteil sein, denn man neigt dazu, diesen Platz zu füllen. Der Rucksack wiegt leer bereits 4,2 Kilogramm! Wer ihn ausreizen will, sollte entsprechend die entsprechende Kondition dafür mitbringen. Im Test wurde damit ein grob zerwirkter Rotspießer ausgetragen. Das bedeutet ein Gesamtgewicht von stolzen 35 Kilogramm: Der Rucksack hielt der Belastung auf jeden Fall besser Stand als der Träger ...

© Kirsten Weingarth

Jagdhund Staufen – Mischung aus Tradition und moderne

Der Staufen ist eine Art Hybrid aus einem klassischen Loden- und einem modernen Trekking-Rucksack. So weist er einige Merkmale auf, die heute Standard sind: Ein gepolsterter Hüftgurt, ein Brustgurt, eine ventilierte Rückenplatte und Schultergurte. Die abriebgefährdeten Stellen sind mit grünem Leder verstärkt.

Sehr praktisch ist die Art des Waffentransports: Durch einen Reißverschluss...

...kann körperseitig der Deckel geöffnet werden. Durch diese Öffnung kann ein Gewehr mit dem Schaft nach unten in das Hauptfach gesteckt werden. So ist Waffe mitsamt Optik gut geschützt, mittig und nahe dem Körperschwerpunkt. Neben dem Hauptfach gibt es praktische Nebenfächer, in denen man seine Ausrüstung gut sortiert verstauen kann. Für schwere Lasten ist der Rucksack jedoch nicht gebaut. Dafür ist auch mit 30 Litern Stauraum kein Platz. Die Polsterungen sind eher dünn, die Ventilierung hält nur einen schmalen Lüftungsschlitz offen. Das macht den Rucksack schlanker, und es wird leichter, in Kanzeln zu steigen. Das geht aber zu Lasten des Tragekomforts. Wer sich auf zehn Kilogramm Gepäck und kürzere Aufstiege im Bergrevier beschränkt, den wird das aber nicht stören. Für eine Tagestour mit Wildtransport ist der Jagdhund Staufen jedoch nicht zu empfehlen.

© Kirsten Weingarth

Markhor Yosemite – Ausgeklügelter Wildtransport

Schon der Markenname legt nahe, dass es sich bei diesem Rucksack um einen Bergspezialisten handelt. Mit seinen 55 Litern Fassungsvermögen hat man mehr als genug Platz. Für den Waffentransport lässt sich eine Tasche für den Hinterschaft ausklappen. Zwei Schnallen sichern das Gewehr weiter oben, sodass es gut fixiert ist.

Der Clou an diesem Rucksack ist aber...

...die Art des Wildtransports. Durch das Öffnen eines Reißverschlusses lässt sich das Hauptfach vom Rückenteil wegklappen. In diesen Spalt kann man einen ganzen Wildkörper einlegen und mit drei Befestigungsgurten festzurren. Anschließend klappt man das Hauptfach wieder zurück. Das Wild ist so von der Seite belüftet, und man hat die größte Last möglichst nahe am Körperschwerpunkt. Im Test wurde ein Gamskitz auf diese Weise transportiert. Es stellte sich aber heraus, dass drei Gurte nicht genug waren, um den Wildkörper ausreichend in Position zu halten. So rutschte es immer weiter nach unten. Zusätzliche Kompressionsriemen könnten dieses Problem lösen. Die Reinigung des Rucksacks von Schweiß etc. ist dank des verbauten Cordura-Materials recht problemlos. Einfach entleeren, mit Wasser auswaschen und zum Trocknen aufhängen.

© Kirsten Weingarth

Tatonka-Lastenkraxe – In Modulbauweise

Diese Kraxe wirkt solide verarbeitet und kommt in einem ansehnlichen Grün. Sie besteht aus einem modernen Tragesystem, auf dem ein Gestell aus Aluminium verbaut ist. Dadurch ist man auch für sehr schwere Lasten gerüstet. Gut gepolsterte Tragegurte sowie ein breiter und dicker Hüftgurt sorgen selbst bei schweren Lasten für angenehmen Tragekomfort. Es gibt insgesamt acht Ösen, um mit separaten Schnüren oder Gurten die Ladung oder einen extra Bergrucksack...

...fixieren zu können. Das Fixieren der Ladung, insbesondere von ganzen Wildkörpern, sollte man übrigens beherrschen: Wer erst am erlegten Stück hoch am Berg überlegt, wie man das Stück am besten auf die Kraxe bindet, wird wenig Freude haben.

Der Nachteil der Kraxe ist, dass man noch ein separates Behältnis für die Jagdausrüstung benötigt. Eine gebräuchliche Variante ist, einen Bergjagdrucksack auf das Tragegestell zu montieren. Somit gleicht man auch dessen Nachteile gut aus. Der Wildkörper wird im Ganzen und luftig transportiert, und der extra Rucksack bleibt weitgehend sauber. Hinsichtlich der Wildbrethygiene ist das ein Vorteil. Der Waffentransport gestaltet sich jedoch schwierig.

Mit zwei Kilogramm Gewicht ist die Kraxe relativ leicht. Allerdings muss man für einen Vergleich mit anderen Modellen fairerweise das Gewicht des Bergrucksacks dazurechnen, wenn man seine Ausrüstung damit transportieren will.

© Kirsten Weingarth

VORN Deer – Für alles gerüstet

Mit seinen 42 Litern Volumen bietet der VORN genug Platz für Ausrüstung und zerwirktes Wild. Das Tragesystem ist individuell einstellbar und bietet Komfort auch bei großen Lasten. Zudem sind die Trageriemen zwar breit (guter Tragekomfort!), aber nicht dick. Das macht den schnellen Schuss mit Rucksack am Rücken gut möglich. Wer allerdings etwas schmäler gebaut ist, könnte sich daran stören, dass sie relativ weit auseinander liegen.

Der Außenstoff aus Cordura ist in dezentem Grün...

 

...(alternativ gibt es ihn auch in Realtree), die Innenseiten in Signalorange gehalten. Das hilft bei schlechtem Licht, den Inhalt besser zu sehen. Neben der hohen Verarbeitungsqualität sticht das vorteilhafte und durchdachte Waffentransportsystem heraus: Die Waffe wird in einen Schlitz auf der rechten Seite gelegt und mit zwei Metallhaken am Herausfallen gehindert. So wird sie mit dem Lauf nach oben nahe dem Körperschwerpunkt transportiert. Da längere Läufe deutlich herausragen, sollte die Mündung abgeklebt werden. Am Trageriemen befindet sich ein Zugmechanismus, welcher die Haltegurte freigibt. Eine Hand geht an die Waffe, die zweite gibt sie frei, und man nimmt die Büchse nach vorne. So ist man selbst bei längeren Wanderungen für jede Wildbegegnung gewappnet. Ein absolut empfehlenswerter Helfer am Berg!

© Kirsten Weingarth

Waldkauz Cervus – Schöner Klassiker

Der Cervus ist ein brauner Lodenrucksack im klassischen Sackdesign. Er ist ein echtes Schmuckstück mit vielen pfiffigen Details. An Stelle von Metallschließen sind Verschlüsse aus Leder verbaut, was den Rucksack ausgesprochen leise macht. Hinter den beiden Fronttaschen ist eine herausnehmbare Sitzunterlage aus Loden versteckt. Für den schnellen Zugriff...

...gibt es einen seitlichen Reißverschluss am Hauptfach.

Der Waldkauz ist aber kein echter Bergsteiger und besser bei der alltäglichen Ansitzjagd aufgehoben. Das fehlende Tragegestell können die längenverstellbaren Tragegurte nicht ausgleichen. Selbst wenn man auf die Idee käme, eine Tagestour in die Berge damit zu machen, wäre mir der Rucksack z.B. für die Wildbergung schlichtweg zu schade. Eine Reinigung gestaltet sich nämlich mit dem angenähten Leder als schwierig. Besitzt man diesen Rucksack ohnehin für den jagdlichen Alltag, bietet sich aber die Verwendung als Stauraum auf der Lastenkraxe an.

Daten und Fakten zu den Testrucksäcken
 

Markhor ­Yosemite

Jagdhund Staufen Eberlestock Dragonfly VORN Deer Tatonka- Lastenkraxe Waldkauz Cervus Opas Berg­rucksack
Gewicht 2,85 kg 1,7 kg 4,2 kg 2,5 kg 2 kg 1,3 kg 1 kg
Volumen 55 l 30 l 47 l bis 88 l 42 l - 40 l 50 l
Ventilation Rückenplatte ++ + ++ ++ ++ - -
Qualität Hüftgurt ++ + ++ ++ ++ - -
Wildtransport möglich? ja
(im Ganzen)
nein ja
(im Ganzen)
ja
(zerwirkt)
ja
(im Ganzen)
ja
(nur zerwirkt)
im Ganzen oder zerwirkt
Integriertes ­Gestell Aluminium Holz Aluminium Aluminium Aluminium ohne ohne
Tragegestell ­einstellbar? ja nein ja ja ja nur die
Gurtlänge
nein
Ganze Stücke ­fixierbar? mehr oder weniger nein ja keine Angabe ja keine
Angabe
keine Angabe
Waffentransport ergonomisch? ++ + +++ +++ - - -
Reinigung ++ - + - + - ++
Preis 314,95 Euro 299,90 Euro 419 Euro 359 Euro 199,95 Euro 295 Euro unbezahlbar
Bezug www. wildnissport.de
+49-5826- 958080
www. wildnissport.de
+49-5826- 958080
www.hqg.de
+49-8042- 503900
www.waffen-jakele.de
+49-8375- 2060200
www. wildnissport.de
+49-5826- 958080
www. waldkauz.net
+49-2131- 547553
 

 

Wildtransport: ein Spagat zwischen Hygiene und Sicherheit

Oben am Berg steht der Jäger vor einer verantwortungsvollen Aufgabe: Er soll die Beute aus der Wildnis in einen Lebensmittelkreislauf der modernen Zivilisation voller behördlicher Vorschriften integrieren. Dabei stehen ihm nicht viele Instrumente zur Verfügung. Handwerk und Sorgfalt haben jedoch kein Gewicht – der Bergjäger sollte sie mitbringen!

Kühlt Wildbret nach dem Erlegen nicht rasch genug ab, kann es zur stickigen Reifung kommen. Idealerweise hängt man also den aufgebrochenen Wildkörper vor dem Abtransport noch eine halbe Stunde zum Abkühlen auf. Manchmal – insbesondere bei leichter Schneelage – ist es möglich, das Wild an einer langen Leine bergab zu ziehen. Das hat aber auch gravierende Nachteile: Es kommt leicht zu Verunreinigungen der Leibeshöhle, besonders wenn sich die Beute überschlägt oder durch Laub schlittert. Muss man einen Hang länger queren, kann das Liefern zur Qual werden.

Wenn das Bergabziehen der Beute keine Option ist, stehen uns im Grunde zwei Möglichkeiten zur Auswahl, das Wild für das Austragen vorzubereiten: Aufgebrochen im Ganzen oder im zerwirkten Zustand. Ein ganzes Stück Wild zu tragen, wird man in der Regel nur bis zum schwachen Rotkalb schaffen. Entweder man fixiert dafür den Wildkörper an einer Kraxe, oder man hat einen Rucksack mit Wildtransportfach. Ein ausgewachsenes Reh hat einen Ausschlachtungsgrad von etwa 60 Prozent. Das bedeutet, dass wir beim Zerwirken 40 Prozent eines aufgebrochenen Stücks nicht verwerten. Um Gewicht zu sparen, kann man nicht verwertbare Teile gleich am Erlegungsort belassen. Bei einem 20-Kilo-Gams sind dann immerhin acht Kilogramm weniger Gewicht zu tragen!

Je nachdem, wie viel Zeit man investieren und Gewicht sparen will, kann man den Zerwirkprozess gestalten. Das Schnellste ist sicher, die beiden Keulen in der Decke von der Wirbelsäule abzutrennen und den Rücken und die Filets auszulösen. Die Blätter können ebenfalls mitsamt der Decke abgeschärft werden. Wildbret in der Decke wird separat in Säcke gepackt, um den Kontakt mit offenen Stellen des Wildbrets zu minimieren. Das Wildbret soll also „atmen“ können, aber nicht mit Keimen in Kontakt kommen. Plastiksäcke schützen zwar vor Keimen, bergen jedoch die Gefahr des Hitzestaus. Deshalb werden vor allem in Übersee sogenannte „Meat Bags“ verwendet: Ein atmungsaktives Nylongewebe schützt das Fleisch und lässt es auskühlen. Sehr empfehlenswert!

Wer sich mehr Zeit lässt, kann das Wild aus der Decke schlagen, grob zerwirken und lässt es lange genug kühlen. Verpackt in Plastiksäcken, kann man das Wildbret auch in kleineren Rucksäcken transportieren. Man sollte aber bedenken, dass man sich durch das Zerwirken in den Lagerungs- und Vermarktungsmöglichkeiten einschränken kann. Aus einer Zeit, in der Wilderei noch häufiger war, entstammt der Brauch, dass das Haupt des erlegten Wildes immer sichtbar getragen werden muss. Mit einer Kraxe ist das kein Problem, mit anderen Rucksacktypen wird das jedoch schwierig. Wer Wild zerwirkt transportiert, könnte das abgeschärfte Haupt außen am Rucksack tragen. Ob dieses Bild in der Öffentlichkeit gut ankommt, sollte man sich aber vorher überlegen.

Die Auswahl an Rucksäcken ist riesig – Ein Fazit

Der Markt bietet natürlich eine noch vielfach größere Auswahl an Rucksäcken. Häufig ist es schwer, zwischen unnötigem Schnickschnack, echter Innovation und Markenhype zu unterscheiden. Die Nordamerikaner und Neuseeländer haben den größeren Kundenkreis für echtes „Backpack Hunting“. Es macht daher Sinn, sich auch dort umzuschauen.

Beachtet man die beschriebenen Kriterien und fügt den eigenen Geschmack hinzu, wird man den passenden Rucksack für seine Bedürfnisse finden. Für die endgültige Kaufentscheidung sollte der Rucksack unbedingt im beladenen Zustand zur Probe getragen werden. Preislich sollte man bereit sein, 300 bis 500 Euro auszugeben. Diese Kosten relativieren sich schnell, denn eins solltest du nicht vergessen: Ein guter Rucksack schont die eigenen Gelenke – und das sind Verschleißteile ohne Ersatz!

Wie man den Rucksack richtig einstellt, damit er optimal sitzt, wird in folgendem Video gezeigt:


Dominik Dachs Der begeisterte Pirschjäger jagt vor allem auf Rotwild in den österreichischen Kalkalpen. Dachsbracke „Levi“ und gute Ausrüstung sind seine ständigen Begleiter.
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