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Verfeinert

(Foto: A. Schmid)


Der wohl entscheidendste Faktor für die Langlebigkeit von Hoch­sitzen ist der Schutz vor Feuchtigkeit. Dies gilt sowohl für die vom Boden und Bewuchs aufsteigende Nässe als auch für Regen und Schnee von oben. Während Hölzer unter dichten Kanzeldächern nach Jahrzehnten meistens noch voll funk­tionsfähig sind, können dem Niederschlag voll ausgesetzte Stangen schon relativ bald verrottet sein. Dies gilt vor allem für horizontale Hölzer, wie zum Beispiel Leitersprossen, da das Wasser dort besonders schlecht abfließen kann. Deshalb ist es bezüglich des konstruktiven Holzschutzes ideal, wenn sich bei Hochsitzen möglichst viele Teile unter einem großen Dach befinden.

Wettergeschützt

Trotzdem finden wir in der Fachliteratur, in der Praxis wie auch beim Fachhändler nur ganz wenige Hochsitze, bei denen sich die Leiter wettergeschützt direkt unter der Sitzkonstruktion befindet. Bei den wenigen früher manchmal anzutreffenden Kanzeln mit Bodenklappen war zwar die Leiter wetter­geschützt angeordnet. Das Öffnen und Schließen der Klappen war jedoch umständlich und nie ganz lautlos durchzuführen.
Die hier gezeigte Kanzel ist nicht allzu hoch, die Ständer sind senkrecht und die Leiter befindet sich innerhalb der Grundfläche. Durch die Anordnung des Kanzelbodens ausschließlich im vorderen Bereich und eines hochklappbaren Sitzbretts wird der ­bequeme Einstieg von unten ermöglicht.
Allerdings wurden diese Kanzeln von Martin ­Demmel ausschließlich für den Verbleib an einem Standort ­gebaut. Mit einem Front­lader und einem landwirtschaftlichen Anhänger lassen sie sich zwar aufgrund der kompakten Bauweise wieder versetzen, aber ohne schweres Gerät und/oder Helfer sind sie eigentlich nicht trans­portabel.
Da ich jedoch von ­einer Person aufstellbare und versetzbare Hochsitze bevorzuge, habe ich die Bauweise in zwei zerlegbare Konstruktionen abgewandelt. Bei der ersten gehen die Ständer vom Boden bis zum Dach durch, wodurch sich der Zusammenbau einfacher gestaltet. Bei der zweiten wird der Kanzelaufbau auf einen Unterbau draufgesetzt, wodurch die einzelnen Teile kürzer sind und sich auf kleineren Ladeflächen besser über ­weite Strecken transportieren lassen. Beiden Konstruktionen gemeinsam ist die Idee, dass die seitliche Verstrebung der Hochsitze durch die Leiterholme erfolgt. Damit wird Material gespart und die Montage/Demontage wesentlich erleichtert.

A Diagonal verstrebt

(Fotos: A. Schmid)


Die einfache Montage-/Demontagemöglichkeit wird durch Befestigung der Leiterholme innen an den vorderen Ständern erreicht. Man kann damit nach Anschrauben der Leiter an den Vorderständern und Ausklappen derselben mit einem Querholz die Vorderseite samt Leiter hochstellen und danach einfach Seitenteile, Rück­seite, Sitzkonstruktion und Dach anbringen. Die gleichzeitig als Diagonalverstrebung wirkende Leiter gibt dem Hochsitz eine gute innere Stabilität gegen Verschiebungen nach vorne oder hinten. Gegen seitliche Verschiebungen werden Diagonalverstrebungen an der Vorder- und Rückseite angebracht.
Bei einem Außenabstand der Ständer von 102,5 Zentimetern (bei Kanthölzern 6x8 cm horizontaler Schraubenabstand 94,5 cm), einem Anstellwinkel der Leiter von 71°, Positionierung des Fuß­bodenauflagers 90 Zentimeter unter der oberen Schraub­verbindung „Vor­derstän­der/Holme oben“ und der unteren Schraubverbindung „Hin­terständer/Holme unten“ zehn Zentimeter über dem Erdboden befindet sich der Fußboden in knapp zwei ­Metern Höhe. Diese reicht im Normalfall aus und erlaubt noch einen Transport der Hochsitzteile ohne fremde Hilfe. Den Zusammenbau der Teile zum fertigen Sitz zeigen die nachfolgenden Bilder.
Nach dem oben bereits beschriebenem Hochstellen der Vorderseite mit Leiter 2 und dem waagrechten Ausrichten der seitlichen Querhölzer und der Leitersprossen mit einer Wasserwaage werden die Seitenteile jeweils mit ­einer Schraube an den Vorderständern befestigt 3. Danach wird die Rückseite aufgestellt 4 und diese sowohl unten am Leiterfuß als auch oben an den Seitenteilen ­angeschraubt. Anschließend wird die Sitzkonstruktion ­angebracht. Sie besteht aus ­einer Rückenlehne, die zum leichteren Hochsteigen senkrecht gestellt werden kann und an der das unten hochklappbare Sitzbrett angebracht ist. Abschließend wird das Dach aufgelegt 5 und mit dem vorderen und hinteren Dach­träger verbunden.
Wegen der relativ geringen Grundfläche ist der Sitz gesondert gegen Umfallen zu sichern. Dies kann beispielsweise durch Verpflocken, Anbringen von Schraubankern an den Ständerfüßen oder eines Stützbocks (zwei mit Diagonalverstrebung verbundene Stangen) im oberen Bereich erfolgen. Bei Anbringung sowohl von Schraubankern als auch eines Stützbocks (in der Regel an der Rückseite) wird das Umkippen sowie das Wackeln des Hochsitzes dauerhaft verhindert.

B Ausgesteift

(Foto: A. Schmid)


Bei der oben beschriebenen Bauweise sind die hinteren Ständer 380 Zentimeter lang. Dadurch gestaltet sich der Transport über weite Strecken etwas aufwendig. Abhilfe kann hier – wie bei anderen Hochsitzen auch – nur die Zerlegung in einen Unterbau (Bock) und einen Kanzelaufbau schaffen. Dass die Holme dadurch nicht mehr bis zu den vorderen Ständern hochgeführt werden, ist dabei das kleinere Problem. Das Dreieck aus hinterem Ständer, oberem Querholz und Leiterholm stabilisiert die Seitenflächen immer noch ausreichend. Auch der höhere Aufwand beim Zusammenschrauben der durch das Aufteilen in Unterbau und Aufbau größeren Zahl von Teilen ist nicht so schlimm.
Problem: Durch das Teilen der hinteren Ständer ist die Rückseite des Unterbaus durch die wegen des erforderlichen Einstiegs oben anzubringen­den Diagonalstreben nicht mehr entsprechend ausgesteift. Diese Aussteifung kann wieder her­gestellt werden, indem entweder eine biegesteife Ver­bindung zwischen den hinteren Ständern des Unterbaus und der diagonal verstrebten Rückseite des Aufbaus geschaffen wird. Alternativ werden die hinteren Ständer oben mit einer biegesteif angebrachten Querverbindung zu einem Rahmen verbunden. Eine derartige Verbindung an den hinteren Ständern kann man beispielsweise durch Verbindungshölzer, die jeweils mit mindestens zwei Schrauben am oberen Ende der Ständer des Unterbaus und am unteren Ende der Ständer des Aufbaus angeschraubt werden, herstellen.
Der Zusammenbau der einzelnen Teile beginnt mit dem Zusammenbau und dem Aufstellen des Unterbaus. Dieser muss dann wieder mit der Wasserwaage ausgerichtet werden 6. Wie auch bei der Bauweise mit den durchgehenden Ständern muss auch hier baldmöglichst der Sitz gegen Umfallen gesichert werden. Bevor der Unterbau bestiegen wird, sind die Ständer unten zu verpflocken oder durch Schraub­anker zu fixieren 7.
Bei Verwendung der oben beschriebenen Verbindungshölzer kann dann die Rückseite des Aufbaus an diese Verbindungshölzer angeschraubt werden 8. An der Rückseite werden die Seitenteile 9 und daran das Vorderteil mit Schlossschrauben angebracht. Die Sitzkonstruktion befindet sich an einem der Seitenteile. Die Rückenlehne ist mit Scharnieren am Sitzbrett und dieses wiederum mit Scharnieren an einer an den Ständern angeschraubten Sitzauflage befestigt. Nach dem Anbringen eines Dachs und bei Bedarf eines Stützbocks ist der Sitz fertig 10.
Die beiden beschriebenen Kanzeln sind zwar nicht allzu hoch (Sitzhöhe ca. 2,50 m), sie stellen jedoch einen sehr guten Kompromiss zwischen Aufwand und Funktionalität dar. Bezüglich Lang­lebigkeit durch konstruktiven Holzschutz kenne ich keine besseren Bauweisen. Jäger, die die gebrauchsmustergeschützten Konstruk­tionen für den Eigenbedarf nachbauen möchten, können beim Autor Dr. Anton Schmid (Wankstr. 3, 82362 Weilheim) Konstruktionszeichnungen durch Zusendung eines frankierten Rückumschlags anfordern.