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Trophäen bleichen ohne Wasserstoffperoxid


Die konzentrierte 30-prozentige Wasserstoffperoxid-Lösung zählt sicherlich zu den gängigsten Bleichmitteln, um Reh- oder Hirschschädel weiß zu bekommen. Doch seit Anfang des Jahres gelten für die Abgabe dieser Chemikalie verschärfte Bedingungen (siehe hier: Weiße Schädel adieu?). Nochmal kurz zum Hintergrund: H2O2 könnte für den Bau von Sprengstoff verwendet werden. Die Folge: Keine Abgabe mehr an „Mitglieder der Allgemeinheit“, zu denen auch Privatjäger gezählt werden. Berufsjäger und Präparatoren z.B. dürfen die Chemikalie allerdings weiterhin erwerben. „Frei verkäuflich“ bleibt allerdings immer noch 12-prozentiges Wasserstoffperoxid.

Zum Glück funktioniert das Bleichen von Trophäenschädeln und Knochen bei weitem nicht nur unter Verwendung von hochprozentigem Wasserstoffperoxid. Diese Variante ist aufgrund ihrer Effizienz und relativ einfachen Anwendung als Rundumlösung übrig geblieben. Als Jäger möchte man seine Jagdtrophäen natürlich ästhetisch präparieren. Dazu sollte man wissen: Schädelknochen bestehen aus Kalk, der mehr oder weniger grobporig ist. Unansehnliche Verfärbungen des Knochens haben ihre Ursache entweder aufgrund von Restverschmutzungen, die sich in den Poren angesiedelt haben oder aufgrund von Huminsäuren, wie sie bei der natürlichen Mazeration (von lateinisch macerare „einweichen“) z.B. bei Fallwild auf dem Waldboden vom Knochen aufgenommen werden. Eine weitere Ursache besteht in der unzureichenden Behandlung des Schädelknochens. Bevor der Schädelknochen erfolgreich gebleicht werden kann, muss er also vollständig mazeriert – das heißt frei von Fleisch, Häuten und Sehnen - und vor allem entfettet sein.

Langes Wässern nach sauberer Vorpräparation

Vor Beginn der Mazeration – egal nach welchem Verfahren (Fäulnis, Speckkäfer, Natronlauge oder Kochen) – muss eine ausreichend lange Wässerung des Trophäenschädels erfolgen. Je nach Größe und Dicke der anhaftenden Decken- und Fleischpartien kann das mehrere Tage in Anspruch nehmen. Deutlich schneller und wirkungsvoller geht der Prozess vonstatten, wenn man sich die Mühe macht und die Decke, grobe Fleischteile, Augäpfel und Gehirnmasse in frischem Zustand bereits weitgehend entfernt. Gerade Letztere sorgt ansonsten gerade beim Abkochen für eine schnelle Sättigung des Kochwassers mit Fett und Eiweiß, das sich obendrein als Schaum hartnäckig in den Geweihstangen festsetzt.
Der Schädel wird anschließend abgekocht.

Abkochen in zwei Phasen

Nach einer ersten Kochphase und dem groben Entfernen aller dem Schädel anhaftenden Fleisch- und Fellreste startet der zweite Schritt. Dazu geben wir in den vom ausgekochten Fett gereinigten Kochtopf nun frisches, klares Wasser und ein handelsübliches Waschmittel für Weiß- oder Kochwäsche in etwas konzentrierterer Form. Diese Waschmittel enthalten als Weißmacher oder Aufheller meist Peroxide, Perborate oder Percarbonate. Sie haben in wässriger Lösung die gleiche Wirkung wie Wasserstoffperoxid, sind aber für die Herstellung von Waschpulver als Feststoffe unkomplizierter und besser zu lagern.
Den gleichen Effekt erzielen wir durch die Zugabe von einem Spülmaschinentap oder speziell Fett lösendem Spülmittel in das klare Kochwasser.

Bei der Verwendung all dieser Mittel unbedingt die jeweilige Gebrauchsanweisung lesen und Sicherheitsratschläge befolgen, um Gesundheitsschäden zu vermeiden! Der abgekochte Schädel muss anschließend in klarem, kaltem Wasser bis zur vollständigen Abkühlung abgeschreckt werden, um zu verhindern, dass sich ausgekochtes Fett wieder in die Knochenporen zurückziehen kann. Unter Verwendung der beschriebenen Werkzeuge wird nun der Schädel gründlich gereinigt. Nach dieser zwar etwas aufwendigeren Vorpräparation bedarf es zum abschließenden Bleichen des Knochens nun nicht mehr des konzentrierten Wasserstoffperoxids. Bereits mit der weiterhin in der Apotheke für jedermann erhältlichen Lösung bis 12 Prozent erreichen wir die gewohnte weiß machende Wirkung. Dazu legen wir das zu bleichenden Schädelteil über Nacht in diese Lösung ein. Sollte uns das Resultat noch nicht überzeugen, weil wir punktuell noch Fettrückstände (gelbliche Partien oder Flecken) im Knochen erkennen, wiederholen wir einfach den entfettenden Kochvorgang.

Macht nicht nur die Haare schön…

Eine ähnlich gut bleichende Wirkung erzielen wir mit Blondierungsemulsionen, die es beim Friseur oder dem entsprechenden Fachhandel gibt. Diese Mittel mit dem darin enthaltenen Wasserstoffperoxid unter 12 Prozent sind ebenfalls frei verkäuflich. Die Masse ist eher dickflüssig und lässt sich problemlos mit einem Pinsel oder Einmalhandschuhen auf den Schädelknochen auftragen. Sobald das Mittel in der Sonne vollständig abgetrocknet ist (mindestens 60 Minuten), können die Reste abgebürstet oder mit heißem Wasser entsprechend abgewaschen werden.

Wer in der Präparation seiner Trophäen weiterhin selbst Hand anlegen will, braucht also nicht resignierend die Flinte ins Korn zu werfen oder unnötig Geld für eine Dienstleistung auszugeben. Das alles Entscheidende ist eine gewissenhafte Vorpräparation mit vollständiger Entfettung des Knochens. Wenden wir wieder dafür entsprechend mehr Zeit auf, wird das Bleichen fast zur Nebensache.

 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus einem umfassenden Beitrag zum Thema mit einer detaillierten Beschreibung zum Vorgehen in Wort und Bild, der in PIRSCH 10/2017 – ab 31. Mai 2017 im Handel – erscheint.