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Treffpunktabweichnungen beim Ölschuss: Mythos oder Fakt?

Roland Zeitler © dlv
Roland Zeitler
am
Sonntag, 15.03.2020 - 16:37
Treffpunktabweichung werden immer wieder als Folge eines "Ölschusses" angegeben – doch kann dies tatsächlich sein? © Florian Standke
Treffpunktabweichung werden immer wieder als Folge eines "Ölschusses" angegeben – doch kann dies tatsächlich sein?

Die Zeit ist häufig knapp, und der eine oder andere von Ihnen hat gewiss schon mal die Büchse mit zur Jagd genommen, ohne den Lauf vorher entölt zu haben. „Wird schon nicht so schlimm sein“, lautet dann die Devise. Doch ändert sich die Treffpunktlage wirklich, wenn die Waffe mit eingeöltem Lauf geschossen wird? Um das herauszufinden, ­haben wir Folgendes ausprobiert: Mit vier Repetierern in den Kalibern ­.22-250 Rem. (Krico 600 Jagdmatch), 7 mm Blaser Magnum (Blaser R 93), .308 Win. (Browning X-Bolt Europe) und 9,3 x 62 (Sauer 202 Stutzen) wurden jeweils zunächst Referenz-Schuss­bilder mit ölfreiem Lauf geschossen (5 Schuss/ 100 m). Danach wurde der Lauf grob gereinigt und mit einem ölgetränkten Wergpolster/ Patch durchgezogen und geschossen. Es wurde ­CITO-Waffenöl verwendet, das auch gut vor Korrosion schützt. Diese Prozedur wurde bei den weiteren vier Schüssen wiederholt, sodass fünf Schüsse mit eingeöltem Lauf abgefeuert wurden.

Waffenreinigung erhöht die Lebensdauer der Waffe. Der Lauf sollte aber vor der Schussabgabe entölt werden. © Roland Zeitler

Waffenreinigung erhöht die Lebensdauer der Waffe. Der Lauf sollte aber vor der Schussabgabe entölt werden.

Treffpunkt verlagert sich meist nach oben oder unten

Eine allgemeingültige Regel lässt sich aufgrund des Versuchs nicht ableiten. Klar ist jedoch, dass es den „Ölschuss“ bzw. eine Treffpunktabweichung geben kann. Bei der 7 mm Blaser Mag. und der .308 Win. ergab sich eine Verlagerung von 2 cm, bei der 9,3 x 62 waren es sogar 7 cm.  Nur die .22-250 Rem. schoss unverändert gut. Schon bei früheren Tests fiel mir auf, dass sich der Treffpunkt beim Ölschuss meist nach oben oder unten verlagert. Seitenabweichungen sind die Ausnahme. Allerdings reagiert jede Waffe, jeder Lauf anders – abhängig von Kaliber, Geschoss-material/ -konstruktion sowie vom verwendeten Öl.  

Fazit: Lauf vor der Jagd entölen

Fazit: Man ist gut beraten, den Lauf vor der Jagd zu ent­ölen. Dafür den Lauf mittels Filzpfropfen, Patch oder Wergpolster vor der nächsten Schussabgabe trockenwischen. Wer seinen Lauf perfekt entölen möchte, sollte einen Degreaser (Entfetter, Schnellreiniger) zu Hilfe nehmen. Ganz wichtig: Auch das Patronenlager z.B. mit einem Werg­polster trockenreiben! Sehr empfindlich auf Öl im ­Patronenlager reagieren z.B. .22 Hornet und 9,3 x 74 R. Meist gibt es dann beim ersten Schuss keine Treffpunktabweichung mehr. Bekannt ist auch, dass KK-Büchsen in .22 l.r. nach Laufreinigung oft zehn Schüsse oder mehr benötigen, ehe sie wieder die gewohnte Schuss­leistung erzielen. Treffpunktabweichungen beim ersten Schuss können aber auch andere Ursachen haben, zum Beispiel mangelnde Bettung, schlechte Zielfernrohrmontage oder Wärme­empfindlichkeit des Laufs.