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So gelingen Erlegerfotos

Für gute Erlegerbilder sollte auf Augenhöhe fotografiert werden.


Während der Jagd erleben wir viele besondere Momente. Vor tausenden Jahren dokumentierten die Steinzeitjäger ihre Beute mithilfe von Höhlenmalereien – heutzutage fotografieren wir sie. Das klingt vergleichsweise einfach, aber leider ist auf den steinalten Malereien teilweise mehr zu erkennen als auf manchen Digitalfotos. Mit folgenden Tipps lässt sich das verhindern:

1. Die Position des Wildes

Zunächst legen Sie das Stück so hin, dass es auf dem Foto gut aussieht. Nehmen wir das Beispiel Rehbock. Ist dieser erlegt, bleibt partout das Haupt nicht aufrecht stehen, sondern kippt ständig auf die Seite. Deswegen dreht man das Haupt so weit nach hinten, bis der Bock so liegt, als würde er über seinen Ziemer äugen. Schon bleibt auch das Haupt in Position.

Manchmal ist auch ein kleiner Ast als Stütze sinnvoll. Sauen und Füchse können für ein gutes Foto so positioniert werden, dass sie aufrecht aufgesetzt (nur unaufgebrochen) werden.

In dieser Position lässt sich das Haupt eines Rehbocks gut fotografieren.

2. Weidgerechtigkeit und Optik

Ein letzter Bissen darf auf dem Erlegerfoto natürlich nicht fehlen. Auch wenn es nicht immer möglich ist, sollten wir darauf achten, gerechte Brüche (Eiche, Erle, Kiefer, Fichte, Tanne) zu nutzen. Ein Inbesitznahmebruch kann – auf dem Ein- oder Ausschuss platziert – ebenfalls zur Qualität des Fotos beitragen, da er Schweiß verdeckt. Wenn keine der bruchgerechten Baumarten zur Verfügung steht, macht sich auch anderes Grün als letzter Bissen sehr gut im Äser.

Am besten lassen sich die Fotos direkt nach dem Erlegen, vor dem Aufbrechen machen. Denn dann ist der Wildkörper noch flexibel, und die Lichter wirken nicht so fahl. Wenn der Lecker aus dem Äser hängt, sollte dieser wieder an seinen Platz gebracht werden. Außerdem sollte, Schweiß mit dem Messer oder etwas Wasser entfernt werden.

Etwas in die Knie gegangen und das Wild mit Brüchen versorgt, schon entstehen vorzeigbare Erlegerfotos.

3. Perspektive

Egal, ob die Fotos mit einer professionellen Spiegelreflexkamera gemacht werden oder mit einem Handy, es ist gestalterisch viel besser, wenn für die Fotos auf die Knie gegangen wird oder sogar auf Augenhöhe. Gehörne wirken am besten, wenn sie etwas von der Seite fotografiert werden. Denn direkt von vorne sind die Enden oft nicht zu erkennen. Es macht sich ebenfalls gut, wenn das erlegte Stück etwas erhöht auf der rechten Seite liegt. Dafür eignen sich kleine Wälle oder Baumstümpfe.

Die meisten Streckenfotos werden ohne viel darüber nachzudenken gemacht, doch entstehen so keine ansehnlichen Fotos.

4. Bildelemente

Es lassen sich verschiedene Bildelemente dem Foto hinzufügen, um es nicht nur ansprechender zu gestalten, sondern das Erlebnis zu verewigen. Ein Pirschstock kann z. B. an eine spannende Pirsch erinnern. Bei der Blattzeit lässt sich der verwendete Blatter mit in die Bildgestaltung aufnehmen. Da sind der Jägerfantasie keine Grenzen gesetzt.

Manche Erlegerfotos lassen sich mit zusätzlichen Bildelementen einzigartig gestalten und aufpeppen.

5. Automatik

Die meisten Digitalkameras besitzen eine Automatikfunktion. Mit dieser stellt die Kamera alle nötigen Einstellungen selbst ein. Doch in extremen Lichtsituationen (Schatten, Lichtkontraste) kommt die Funktion schnell an ihre Grenzen. Wird im Automatikmodus fotografiert, bietet sich für Erlegerfotos der Modus für Landschaften (mit Bergsymbol gekennzeichnet) an. Dabei nutzt der Fotoapparat eine etwas geschlossenere Blende, die für eine größere Tiefenschärfe sorgt. So sind alle wichtigen Details gut zu erkennen.

6. Blende

Beim Fotografieren im manuellen Modus, wird als erstes die Blende eingestellt. Mit ihr lässt sich die Tiefenschärfe steuern. Ist die Blende geöffnet, ist die Schärfe gering und unter Umständen werden nur die Lichter oder der Windfang des Bockes scharf. Schließt man jedoch die Blende, erweitert sich die Tiefenschärfe. Gleichzeitig fällt aber auch weniger Licht auf den Sensor der Kamera.

Ist genug Licht vorhanden, sollte aber nicht mit der Offenblende des Objektivs fotografiert werden, sondern Blende 6,3 oder 7,1 (kleine Zahl = offene Blende = geringe Tiefenschärfe; große Zahl = geschlossene Blende = große Tiefenschärfe) gewählt werden, denn dann wird das ganze Haupt scharf. Ist nur noch wenig Licht vorhanden, muss wohl oder übel die Blende ganz geöffnet und dann die Schärfe gezielt auf Lichter/Gehörn gesetzt werden. Zusätzlich kann die ISO-Zahl erhöht werden

Gorillapods lassen sich fast überall befestigen. © Jens Dittrich

Gorillapods lassen sich fast überall befestigen.

7. Stabilisierung der Kamera

Bei schlechtem Licht verwackeln die Fotos schnell. Damit es nicht dazu kommt, sollten wir die Kamera sicher auflegen. Dafür eignen sich zum Beispiel das Doppelglas, der Jagdrucksack oder die eigene Faust. Wer noch professioneller arbeiten möchte, nutz ein Stativ. Speziell „Gorillapods“ sind dafür gut geeignet, denn sie sind klein und leicht. Es lässt sich zudem auf fast jedem Untergrund aufstellen.

8. ISO

ISO gibt die Lichtempfindlichkeit an. Diese wird in Schritten von 100 bis teilweise 12 800 (und mehr) eingeteilt. Je höher die ISO-Zahl, desto weniger Licht wird benötigt. Gleichzeitig nimmt jedoch das sogenannte Bildrauschen zu. Dadurch werden die Bilder dann schnell körnig. Im Idealfall sollte man nicht über ISO 800 gehen. Bei schlechtem Licht ist es ratsam, die ISO zu erhöhen, als Gefahr zu laufen, das Bild zu verwackeln.

Es muss zwar keine Blumenwiese sein, aber Bilder in der Wildkammer sind meist wenig ansehnlich.

9. Belichtungszeit

Die Belichtungszeit wird als letztes eingestellt, denn sie ist für ein Erlegerfoto am variabelsten. Je nach Lichtbedingung sollte 1/60 Sekunde nicht unterschritten werden, da die Bilder sonst verwackeln können. Als Faustformel für das Freihandfotografieren gilt: 1/Brennweite. Wenn eine Brennweite von 50 mm gewählt wurde, dann sollte bei 1/50 Sekunde noch scharfe Bilder entstehen. Objektive mit Stabilisator ermöglichen das Fotografieren auch mit etwas längeren Belichtungszeiten. Tipp: Je kürzer die Belichtungszeit, desto besser.

Das Display der Kamera zeigt die gewählten Einstellungen und die erwartete Belichtung an.

10. Blitz

Reicht das natürliche Licht nicht mehr aus, um die Bilder auszuleuchten, empfiehlt sich der Einsatz eines Blitzgerätes. Bei der Verwendung eines Blitzes sollte aufgepasst werden, dass die Lichter des Wildes nicht reflektieren. Um das zu verhindern, kann ein Diffusor genutzt werden, oder ein indirekter oder entfesselter Blitz eingesetzt werden. Indirekt heißt, dass der Blitz nicht frontal auf das Motiv ausgerichtet wird. Entfesselt ist ein Blitz, wenn er nicht oben auf der Kamera sitzt. Er wird stattdessen mit einem Kabel oder einer Funkferbedienung ausgelöst, und kann so von der Seite oder von oben das Motiv ausleuchten. Bei Gegenlicht oder Schatten kann ein Blitz auch am Tag sinnvoll sein.

Bei Erlegerbildern im Winter sollte darauf geachtet werden, dass nicht der ganze Schnee rot ist.

11. Fotografieren mit dem Handy

Auch mit dem Mobiltelefon lassen sich gute Bilder schießen. Achten Sie zusätzlich zu den vorherigen Punkten darauf, dass Sie nicht Zoomen (Qualitätsverlust durch Digitalzoom), sondern so nah herangehen bis das Wild das Display ausfüllt.

© <b>CS</b>

12. Häupter

Wurde ein Bock so spät erlegt, dass kein gutes Fotos mehr zu machen war oder ist kein Fotoapparat zur Hand, lässt sich auch nur mit dem Haupt des Bockes mithilfe einer Baumscheibe und etwas Eichenlaub ein stimmungsvolles Trophäenfoto gestalten.

13. Größte Fehler

Das Schlimmste sind unscharfe Fotos. Durch einen Blick auf das Display der Kamera sollten Sie kontrollieren, ob Ihr Foto gelungen ist. Falls nicht, können Sie vor Ort noch welche mit den richtigen Einstellungen machen.


Eike Mross Der Redakteur der UNSERE JAGD stammt aus dem Grenzgebiet von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an der Elbe. Er ist leidenschaftlicher Sauen- und Rehwildjäger. Weitere Interessen sind Wildbiologie sowie Bau- und Fallenjagd.
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