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Der Scharf-Macher

Unter sanftem Druck: Als würde man mit der Klinge stets im selben Winkel ein Stück vom Schleifstein „abschneiden“.


Die Messerspitze liegt auf dem Schlossknochen auf, und mit einem kräftigen Faustschlag auf den Griff wird das Schlossgeöffnet. Kurz darauf wird das Messer mit beiden Händen gehalten, und durch einen starken Ruck wird das Brustbein geöffnet. Aufbrechen ist Schwerstarbeit für ein Jagdmesser. Je nachdem, welcher Klingenstahl verwendet wurde, ist das Nachschärfen der gereinigten Klinge nach der Roten Arbeit angesagt.

„Am einfachsten gelingt dies mit einem Abziehstein, wie zum Beispiel dem Belgischen Brocken“, rät der erfahrene Klingenschmied und Messermacher Hans-Jürgen Kugland aus Warburg. „Maschinen mit schnell rotierenden Schleifsteinen oder Papieren sind für den Laien nicht zu empfehlen. Die Gefahr ist zu groß, dass die Klinge dabei zu heiß wird und verglüht – das Messer wäre dann zerstört. Will man dennoch nicht auf die Schleifmaschine verzichten, muss diese sehr langsam laufen. Und während des Schleifvorgangs muss ständig Wasser zugeführt werden.“

Niemals mit Öl!

Ein Zersteuber sorgt für eine dünne Wasserschicht auf dem Schärfstein.


Mit dem Belgischen Brocken kann man nicht viel falsch machen: Es gibt ihn in einer groben oder feineren Ausführung (beziehungsweise Kombination). Große Steine setzt Kugland in eine Spezialhalterung ein. Durch das Anfeuchten des Steins mit Wasser entsteht zunächst ein dünner Gleitfilm. Der Belgische Brocken sollte stets mit Wasser eingesetzt werden. Nie mit Öl, da sich sonst seine Poren verschließen! „Das Schleifen gelingt so sehr schonend. Es wird kein Material von der Klinge geraspelt, wie das bei anderen Geräten häufig der Fall ist. Hochwertige Messer sollte man nur so schleifen“, rät Kugland. Die Klinge streicht er dann gegen die Schneide auf dem Stein entlang. Bei Kochmessern wird die Klinge in einem Winkel von 15 Grad über den Stein geführt. (Tipp: Um diesen Winkel beim Schleifen zu bekommen, legt man einfach den Finger unter den Messerrücken.) Bei Jagdmessern ist ein Abziehwinkel von 20 Grad zu empfehlen. Dann ist die Klinge beim Aufbrechen des Schlosses weniger empfindlich. Im zweiten Arbeitsschritt wird die Klinge in derselben Prozedur über den feineren Stein geführt.

Fürs Revier geeignet

Ideal fürs Revier: Mit einem kleinen Belgischen Brocken kann man auch auf der Jagd sein Messer schärfen.


Kleinere Steine lassen sich einfach im Jagdrucksack mit ins Revier nehmen (dort ebenfalls vor Gebrauch anfeuchten). Dann ist man auf der sicheren Seite, müssen mal mehrere Stücke hintereinander oder eben der ersehnte Erntebock aufgebrochen werden.

Alternative Methoden

Natürlich ist das Schärfen mit dem Belgischen Brocken nicht die einzig mögliche Methode, um wieder "Schneid" auf die Klinge zu bekommen. In untenstehendem Clip stellt Hans-Jürgen Kugland weitere Gerätschaften und Vorgehensweisen mit ihren Eigenheiten vor.

Kontakt

Hans-Jürgen Kugland,
34414 Warburg
0172-6419836
www.hajuku.de


Markus Stifter kommt aus Wiesbaden, schreibt Texte, macht Bilder und dreht Filme als freier Mitarbeiter für die dlv-Jagdmedien.
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