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Alexandra und Torsten

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Donnerstag, 01.01.2015 - 10:51
Mann und Frau im Hochsitz © gemeinsam Jagd erleben

'Ich wusste nicht wirklich, was auf mich zukommt, als mein Sohn mir sagte, ich könne auf Einladung des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern mit einem Jäger auf den Hochsitz gehen. Um ehrlich zu sein: Eigentlich habe ich einen älteren, strengen Herren erwartet, der mir nichts durchgehen lässt. Aber die Jägerinnen und Jäger, die am Abend erschienen, waren allesamt offen und locker. Das war schon mal toll. Bereits um 19 Uhr stiegen Torsten und ich auf den Hochsitz - romantisch gelegen an einer wilden Wiese mit Wasserlauf, den Horst eines Fischadlers in Sichtweite. Der hat uns auch sofort in seinen Bann geschlagen. Besonders eindrucksvoll war der Revierkampf mit einer vorwitzigen Wiesenweihe, die sich wohl zu nah an den Fischadler-Horst wagte. Bis Sonnenuntergang waren es auch tatsächlich nur Vögel, die sich lautstark bemerkbar machten. Torsten konnte die meisten am Gesang erkennen. Mir bleibt auf jeden Fall die Nachtigall im Gedächtnis, die direkt neben uns ihr Lied anstimmte. Und die Ringeltauben, die irgendwann auf dem Dach unseres Hochsitzes herumlärmten. Zumindest kam mir alles sehr laut vor. Es ist faszinierend, wie sich die Sinne schärfen, wenn Zivilisationsgeräusche wegfallen.  

Kurz vor Neun entdeckten wir im Getreidefeld schräg hinter uns ein Reh. Es kam langsam näher, aber wir konnten zuerst nur den Kopf erkennen. Als es sich der Feldkante näherte, machte Torsten sich bereit. Die Spannung stieg, auf keinen Fall wollte ich ein verräterisches Geräusch machen. Und genau dann fiel mein Gehörschutz zu Boden. Das war peinlich. Aber Torsten versicherte mir, der Teppichboden würde die Geräusche förmlich schlucken und fügte scherzhaft hinzu, die Tauben vorhin seien deutlich lauter gewesen. Glücklicherweise lies sich das Reh nicht beeindrucken und kam weiter auf uns zu, bis auf wenige Meter. Ich wartete jeden Moment auf den Schuss - aber der kam nicht und das Reh verschwand wieder im Getreide. Weil das Gras so hoch war, konnten wir nicht erkennen, ob die Ricke bereits Nachwuchs hatte. Schießen verboten, meinte Torsten.

Eigentlich habe ich mehr Wild erwartet und auch insgeheim gehofft, dass wir ein Wildschwein oder ein Reh erlegen. Aber langweilig war es auf keinen Fall, noch nie habe ich beispielsweise ein Reh so nah gesehen. Selbst um elf Uhr wollte ich noch nicht nach Hause - obwohl der Wind auffrischte und es merklich kühler wurde. Die Chance, an diesem Abend noch erfolgreich Jagd auf Wildschweine zu machen, sei aber gering, meinte Torsten: Dicke Wolken verdunkelten den Mond. Auf der Wiese war nicht mehr viel zu erkennen.

Am nächsten Tag hat mich Torsten noch auf einen frisch zubereiteten Wild-Burger beim Landesjagdverband eingeladen. Das war ein tolles Geschmackserlebnis!
Mein Fazit: Eine unvergessliche Erinnerung. DANKE!