19.04.2012 | Nordrhein-Westfalen
Skurriler Tierschutz


© Sven Eichler
Diese Radarfalle sorgte für hohe Einnahmen und viel Aufregung.
Mitten durch den Wald bei Heimbach (Eifel) führt die Landstraße, vorbei an Felsen. Dort hausen Uhus. Zu ihrem Schutz ordnete der Kreis Düren auf Wunsch einer Naturschutzorganisation eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h an, damit die Uhus nicht von Autos erfasst werden. An die Geschwindigkeitsbegrenzung hielt sich keiner. Eine Radaranlage wurde aufgestellt, die in nur zehn Monaten über 7.600 Raser blitzte. Für den Kreis eine willkommene Einnahme.
Das stoppte vergangene Woche das Verwaltungsgericht Aachen (Az.: 2 K 1352/11). Eine Autofahrerin hatte geklagt und bekam Recht. Der Richter hielt das Tempolimit zum Schutz des Uhus grundsätzlich für vertretbar, kritisierte aber die Begründung des Kreises: Der hatte dafür eine entsprechende Vereinbarung mit Naturschützern angeführt. Eine solche Maßnahme müsse aber 'nach eigenem Ermessen' und 'unbeeinflusst von Dritten' erfolgen.
Der Starenkasten war in der Zeit Opfer harter Attacken: Mit Farbe unbrauchbar gemacht, andere schmissen Steine durchs Glas auf die Kamera, besonders Wütende stahlen einen Traktor und legten das Gerät flach. 50.000 Euro Schaden, doch der Kasten wurde wieder aufgerichtet. Der Bestand des einst vom Aussterben bedrohten Uhus hat sich in den letzten drei Jahrzehnten stark erholt, allein in Deutschland auf etwa 1.500 Brutpaare.
PB
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Kommentare
19. April 2012 um 20:12 Uhr | von 70771
Behördenversagen
Es ist schon komisch. Jetzt entscheiden private Vereine über hoheitsrechtliche Entscheidungen, zu denen Festsetzungen von Geschwindigkeitslimits und Blitzanlagen gehören.
Noch lustiger ist es, wenn man weiss, dass in der Nähe der Radarfalle eine Bahnlinie verläuft. Ich nehme doch an, dass dort auch ein Tempolimit gilt.
Wir wäre es mit richtigem Tierschutz. Wälder, Felder etc. dürfen nur noch Sonntags von 8 bis 16 Uhr auf wenigen markierten Wegen betreten werden zum Schutz der Natur.
Im Ernst, jeder Naturfreund sieht mit Schrecken wie sich die Freizeitgestaltung gelangweilter Städter ungehemmt in Wald und Feld austobt.
Stichworte: Jogging, GeoCaching, Mountain biking usw. und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Da habe ich noch von keiner Initiative gehört.