07.10.2009

Allrad macht sich rar

Präsentierte nahezu jeder Hersteller auf den vorangegangenen Inter­nationalen Automobil-Ausstellungen (IAA) ein neues Allrad-Fahrzeug, drehte sich in diesem Jahr fast alles um Elektro­autos. Die kann man aber noch nicht kaufen. Dabei feierten völlig reale Geländewagen ihre Weltpremiere - ganz still und leise.

(Foto: IAA)
Die Kameras in den Hallen am Frankfurter Messeturm kreisten um Audi e-tron, Trabant nT und VW E-Up - Neuheiten mit Batterien und Elektroantrieb, die in eine saubere Autozukunft fahren sollen. Doch so weit ist es noch lange nicht: Die Akkus sind immer noch schwer und teuer, die Reichweite liegt bei höchstens 150 Kilometern und der Strom zum Aufladen kommt aus CO2-schädlichen Kohlekraftwerken. Außerdem müssen Kunden mit einem Preisaufschlag von ­wenigstens 10 000 Euro gegen­über einem konventionellen Pkw rechnen, wenn die ersten Stromer ab 2011 auf deutsche Straßen kommen sollen. Bei all der Elektro-Euphorie trauten sich viele Hersteller kaum, ihre käuflichen Allrad-Neuheiten ins rechte Rampenlicht zu rücken. Zu groß war wohl die Angst, als Umweltsünder angeprangert zu werden. Beispiel Toyota: Auf dem weißen Stand mit weißen Hybrid- und E-Autos musste man schon genau hinsehen, um den nagelneuen Land Cruiser 150 in einer Stand­ecke zu entdecken.

BMW

(Foto: BMW)
Und sogar BMW - selbstbewusster Vorreiter der sparsamen Efficient Dynamics-Antriebe - stellte nur zwei (!) nigelnagelneue X1 ans äußerste Ende der Halle 11. Dabei muss sich der kleine Münchner keineswegs verstecken. Die beiden ausgestellten X1 zeigten die Spannweite der neuen Baureihe, die beim ­lediglich heckgetriebenen X1 sDrive 18d für 29 550 Euro beginnt und beim Topmodell X1 xDrive 28i mit 258 flotten Pferden unter der langen Haube für 41 500 Euro endet. Anders als früher bieten die Münchner also bereits zum Verkaufsstart große und kleinere Motoren an. Am interessantesten sind die beiden einfach aufgeladenen Vier­zylinder-Diesel in der Verbindung mit dem X-Drive, also dem elektronisch gesteuerten Allradantrieb mit voll variabler Kraftverteilung.
Grob gesagt, bietet der X1 das Platzangebot eines Dreier Touring plus Bodenfreiheit von 19,4 Zentimeter. In den Kofferraum passen 420 bis maximal 1350 Liter Gepäck. Für Jäger besonders praktisch ist die im Verhältnis 40/ 20/ 40 geteilt umklappbare Rücksitz­lehne. Da können auf der Fahrt zur Drückjagd vier Waidgenossen bequem Platz nehmen, legen den mittleren Lehnenteil um und haben dort die Büchsenfutterale bestens verstaut.

Hyundai

(Foto: Hyundai)
Den X1 sollte man nicht mit dem ix35 verwechseln. Hyundai hat sich bei den Modellbezeichnungen für seine Geländewagen an die BMW-Nomenklatur angelehnt. Und so startet der Nach­folger des erfolgreichen Tucson eben im März des kommenden Jahres als ix35. Durch einen größeren Radstand (2,64 Meter) hat der Koreaner an Platz gewonnen, bei einer kompakten  Außenlänge von 4,41 Meter. Wie beim Vorgänger wird es Front- oder Allradantrieb geben. Neu ist der Zwei-Liter-Turbodiesel, der ent­we­der mit 136 oder saftigen 184 PS angeboten wird. Im Herbst 2010 soll noch eine Sparvariante mit 116 PS folgen. Serien­mäßig ist an die Diesel ein Sechsgang-Schaltgetriebe geflanscht. Die Preise sollen bei rund 22 000 Euro beginnen.

Kia

(Foto: Kia)
Hyundais Schwestermarke Kia feierte in Frankfurt die Premiere des Sorento II. Der Neue teilt sich die Plattform mit dem Hyundai ix55 und misst nun in der Länge stattliche 4,69 Meter. Anders als sein erfolgreicher Vorgänger (900 000 weltweit verkauft) hat der nun auch als Siebensitzer angebotene So­ren­to keinen klassischen Rahmen mehr. Er verlässt damit das Lager der harten Off­roader und wechselt zu den SUV. Erstmals gibt es den großen Kia auch nur mit Frontantrieb (ab 28 505 Euro) zu kaufen. Volumenmotor wird der 2,2-Liter-Diesel, der stramme 197 PS auf die Kurbelwelle wuchtet. Dennoch soll sich der Vierzylinder in Kombination mit dem Allradantrieb (ab 32 280 Euro) mit sieben Litern Diesel begnügen. Die Bodenfreiheit ist auf mickrige 18,4 Zentimeter geschrumpft, dafür lockt Kia mit fünf Jahren Garantie.

Land Rover

(Foto: Land Rover)
Während sich die Koreaner also von den wirklich geländegängigen Allradlern entfernen, gelingt Land Rover die Verbindung von Fahrkomfort und Offroad-Tugenden immer besser: Der kompakte Freelander TD4_e kommt jetzt serienmäßig für 29 900 Euro mit sparsamer Start-Stopp-Technik. Der Motor stellt sich also an der Ampel aus und springt sofort wieder an, wenn die Kupplung getreten wird. Die Nobelkarossen Range Rover (ab 85 900 Euro) und Range Rover Sport (ab 61 600 Euro) sind stark überarbeitet worden und protzen auf Wunsch mit einem neuen, von einem Kompressor aufgeladenen Fünf-Liter-V8 und atemberaubenden 510 PS. Bedeutender ist hingegen die Erneuerung des Discovery, der nun wahlweise von einem Drei-Liter-Diesel befeuert wird. Der Sechszylinder leistet 245 PS und lässt sich dank 600 Newtonmeter Drehmoment äußerst lässig bewegen. Land Rover verspricht einen Verbrauch von nur 9,2 Litern Diesel. Nicht schlecht, für ­einen 2,5-Tonner. Das verbesserte Fahrwerk, der aufgewertete Innenraum sowie das geänderte Front- und Heckdesign lassen die Engländer von der vierten Discovery-Generation sprechen. Der neue TDV6 3.0 steht in der Ausstattung SE mit 52 700 Euro in der Preisliste.

Mazda

(Foto: Mazda)
Deutlich günstiger - schon ab 29 900 Euro - ist der sportliche Mazda CX-7. Endlich bieten die Japaner ihren 4,70 Meter langen Allradler auch mit einem Diesel-Motor an. Der leistet 173 PS, schiebt mit 400 Newtonmeter Drehmoment an und soll sich im Schnitt mit 7,5 Litern Diesel begnügen. Dabei wandelt das Abgassystem schädliche Stick­oxide - die Schwäche jeden Diesels - in harmlosen Wasserstoff um. Das belohnt der Gesetzgeber mit der Erteilung der Euro-5-Norm. Ab der Ausstattungsversion High-Line (35 390 Euro) ist ein Spurwechselassistent an Bord, der Fahrzeuge im toten Winkel per Radar erfasst und den Chauffeur sofort warnt.

Subaru

(Foto: Subaru)
Allrad-Spezialist Subaru hat seine Modelle Legacy und Outback neu aufgelegt. Alle Triebwerke erfüllen die Euro 5-Norm, wobei Subaru eisern am Prinzip des Boxer-Motors festhält. Den Legacy gibt es mit drei Vierzylinder-Boxern, wobei der Zwei-Liter-Diesel eine echte Perle ist. Der seidenweich laufende Selbstzünder leistet 150 PS bei etwas über sechs Liter Verbrauch und kostet als ­Legacy Kombi 2.0D Trend 31 200 Euro. Im Outback mit seinen überzeugenden 20 Zentimetern Bodenfreiheit star­tet das Dieselvergnügen bei 34 600 Euro. Für den 4,76 langen Geländekombi bieten die Japaner zudem einen Sechszylinder-Benziner mit 3,6 Liter Hubraum und 260 PS (49 000 Euro) an - ein solches Boxer-Triebwerk gibt es weltweit sonst nur noch bei Porsche.

Toyota

(Foto: Toyota)
Und dann war da ja noch die stille Weltpremiere eines Superstars. Der Toyota Land Cruiser gehört längst zu den Geländewagenikonen wie Land Rover Defender oder Jeep Wrangler. In Frankfurt musste sich der neue Land Cruiser 150 an den Rand des Messestands verdrücken. Im Kern ganz der Alte geblieben, stecken unter dem behutsam veränderten Blechkleid eine Reihe  von Innovationen: Das Multi-Terrain-Select-System passt in vier Stufen die ­Motorcharakteristik automatisch dem Untergrund an, gestattet also etwa im Sand mehr Drehzahl, bevor die Automatik hoch schaltet. Crawl-Control lässt den Toyota in fünf wählbaren Geschwindigkeiten über Hindernisse krabbeln, ohne dass der Fahrer Gas oder Bremse bedienen muss. Das neue Fahrwerk verfügt über aktive Dämpfer, Wankausgleich sowie Luftfederung an der Hinterachse. Der bekannte Dreiliter-Diesel leistet weiterhin 173 PS und erfüllt nur die Euro 4-Norm. Die Japaner versprechen einen Verbrauch von durchschnittlich acht Litern Diesel. Im Angebot ist weiterhin ein Dreitürer (4,31 Meter lang) sowie ein 4,76 langer Fünf­türer. Markt­einführung in Deutschland ist am 21. November.





 




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