19.03.2008
Verfeinert
Die Kanzel mit dem Rück-Innen-Aufstieg haben wir in der PIRSCH bereits in Ausgabe 10/2000 vorgestellt. Dr. Anton Schmid hat diese praxiserprobte Konstruktion noch verbessert.
Wettergeschützt
Die hier gezeigte Kanzel ist nicht allzu hoch, die Ständer sind senkrecht und die Leiter befindet sich innerhalb der Grundfläche. Durch die Anordnung des Kanzelbodens ausschließlich im vorderen Bereich und eines hochklappbaren Sitzbretts wird der bequeme Einstieg von unten ermöglicht.
Allerdings wurden diese Kanzeln von Martin Demmel ausschließlich für den Verbleib an einem Standort gebaut. Mit einem Frontlader und einem landwirtschaftlichen Anhänger lassen sie sich zwar aufgrund der kompakten Bauweise wieder versetzen, aber ohne schweres Gerät und/oder Helfer sind sie eigentlich nicht transportabel.
Da ich jedoch von einer Person aufstellbare und versetzbare Hochsitze bevorzuge, habe ich die Bauweise in zwei zerlegbare Konstruktionen abgewandelt. Bei der ersten gehen die Ständer vom Boden bis zum Dach durch, wodurch sich der Zusammenbau einfacher gestaltet. Bei der zweiten wird der Kanzelaufbau auf einen Unterbau draufgesetzt, wodurch die einzelnen Teile kürzer sind und sich auf kleineren Ladeflächen besser über weite Strecken transportieren lassen. Beiden Konstruktionen gemeinsam ist die Idee, dass die seitliche Verstrebung der Hochsitze durch die Leiterholme erfolgt. Damit wird Material gespart und die Montage/Demontage wesentlich erleichtert.
A Diagonal verstrebt
Bei einem Außenabstand der Ständer von 102,5 Zentimetern (bei Kanthölzern 6x8 cm horizontaler Schraubenabstand 94,5 cm), einem Anstellwinkel der Leiter von 71°, Positionierung des Fußbodenauflagers 90 Zentimeter unter der oberen Schraubverbindung 'Vorderständer/Holme oben' und der unteren Schraubverbindung 'Hinterständer/Holme unten' zehn Zentimeter über dem Erdboden befindet sich der Fußboden in knapp zwei Metern Höhe. Diese reicht im Normalfall aus und erlaubt noch einen Transport der Hochsitzteile ohne fremde Hilfe. Den Zusammenbau der Teile zum fertigen Sitz zeigen die nachfolgenden Bilder.
Nach dem oben bereits beschriebenem Hochstellen der Vorderseite mit Leiter 2 und dem waagrechten Ausrichten der seitlichen Querhölzer und der Leitersprossen mit einer Wasserwaage werden die Seitenteile jeweils mit einer Schraube an den Vorderständern befestigt 3. Danach wird die Rückseite aufgestellt 4 und diese sowohl unten am Leiterfuß als auch oben an den Seitenteilen angeschraubt. Anschließend wird die Sitzkonstruktion angebracht. Sie besteht aus einer Rückenlehne, die zum leichteren Hochsteigen senkrecht gestellt werden kann und an der das unten hochklappbare Sitzbrett angebracht ist. Abschließend wird das Dach aufgelegt 5 und mit dem vorderen und hinteren Dachträger verbunden.
Wegen der relativ geringen Grundfläche ist der Sitz gesondert gegen Umfallen zu sichern. Dies kann beispielsweise durch Verpflocken, Anbringen von Schraubankern an den Ständerfüßen oder eines Stützbocks (zwei mit Diagonalverstrebung verbundene Stangen) im oberen Bereich erfolgen. Bei Anbringung sowohl von Schraubankern als auch eines Stützbocks (in der Regel an der Rückseite) wird das Umkippen sowie das Wackeln des Hochsitzes dauerhaft verhindert.
B Ausgesteift
Der Zusammenbau der einzelnen Teile beginnt mit dem Zusammenbau und dem Aufstellen des Unterbaus. Dieser muss dann wieder mit der Wasserwaage ausgerichtet werden 6. Wie auch bei der Bauweise mit den durchgehenden Ständern muss auch hier baldmöglichst der Sitz gegen Umfallen gesichert werden. Bevor der Unterbau bestiegen wird, sind die Ständer unten zu verpflocken oder durch Schraubanker zu fixieren 7.
Bei Verwendung der oben beschriebenen Verbindungshölzer kann dann die Rückseite des Aufbaus an diese Verbindungshölzer angeschraubt werden 8. An der Rückseite werden die Seitenteile 9 und daran das Vorderteil mit Schlossschrauben angebracht. Die Sitzkonstruktion befindet sich an einem der Seitenteile. Die Rückenlehne ist mit Scharnieren am Sitzbrett und dieses wiederum mit Scharnieren an einer an den Ständern angeschraubten Sitzauflage befestigt. Nach dem Anbringen eines Dachs und bei Bedarf eines Stützbocks ist der Sitz fertig 10.
Die beiden beschriebenen Kanzeln sind zwar nicht allzu hoch (Sitzhöhe ca. 2,50 m), sie stellen jedoch einen sehr guten Kompromiss zwischen Aufwand und Funktionalität dar. Bezüglich Langlebigkeit durch konstruktiven Holzschutz kenne ich keine besseren Bauweisen. Jäger, die die gebrauchsmustergeschützten Konstruktionen für den Eigenbedarf nachbauen möchten, können beim Autor Dr. Anton Schmid (Wankstr. 3, 82362 Weilheim) Konstruktionszeichnungen durch Zusendung eines frankierten Rückumschlags anfordern.
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Kommentare
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02. Oktober 2009 um 17:09 Uhr | von cblomann
Berufsgenossenschaft läßt grüßen!
Bei der angepriesenen Ansitzeinrichtung fällt mir ein ziemlich schlimmes Erlebnis zu einer ähnlich abenteuerlichen Konstruktion einer überdachten Ansitzleiter ein, die fast dazu führte, dass unser Pächter 'erlegt' wurde, weil sich die Standfestigkeit der Leiter schon bei einem 'Windhauch' als völlig unzureichend erwiesen hatte. Glücklicherweise standen der Pächter und sein Geländewagen knapp zwei Meter daneben. Es handelte sich dabei um eine ebenfalls ähnliche Leiter mit baugleicher Dachkonstruktion, die als Windfang geradezu ideal ist und damit den Ansitz schon bei mäßigem Windhauch zu einem Fluggerät werden läßt. Man kann nur anmerken: Die Berufsgenossenschaft läßt grüßen! Die in Ihrem o.a. Web-Seiten-Artikel beschriebenen Konstruktion von Dr. Anton Schmid mit dem baugleichen Dachelement scheint mir sehr ähnlich, wobei ich bemerken möchte, dass auch die hier verwendeten 'Erdanker' dem Bauwerk nicht zur Standfestigkeit verhelfen sondern allenfalls dem Vertreiber der Erdankern zu einem bescheidenen Wohlstand. Wir konnten bei uns im Revier bei Verwendung derselben Anker an weitaus stabiler anmutenden Ansitzen erfahren, dass ein mittlerer Herbststurm die Anker aus dem Erdreich reißt. Denn die hier verwendeten Korkenzieherschraubeisen halten allenfalls in einem festen und ausgehärteten Lehmboden, nicht aber in einer Wiese oder etwa einer normalen Ackerkrume. Bei der hier dargestellten Konstruktion sind m.E. kräftige Schrägstäuber unverzichtbar, falls man auch wieder vom Ansitz heil heimkommen möchte. Die nur als Spielzeug zu bezeichnenden 'Erdanker' sind völlig ungeeignet, um bei einem stärkeren Wind diesen Ansitz am Ort zu halten und damit der Sicherheit und den Vorschriften der BGen auch Rechnung zu tragen. Mit freundlichem Gruß und Waidmannsheil F. Hoeft, Hannover



































































































