17.08.2010
Küchengerecht
In den meisten Bundesländeren startet Anfang September, spätestens aber zur Monatsmitte die Entenjagdsaison. Das lockt den Niederwildjäger an die Gewässer. Neben der Freude am sauberen Schrotschuss und an der Wasserarbeit des treuen, vierbeinigen Jagdhelfers tun sich Gaumenfreuden auf. Doch davor will die erbeutete Ente richtig versorgt sein. Wie dies schnell und unkompliziert geschieht, wird hier demonstriert.
Eine goldbraun gebratene Wildente mit knuspriger Haut ist immer ein kulinarischer Festschmaus. Wenn im September beim Abendstrich die ersten Enten am Gewässer einfallen, sehe ich sie schon in der Pfanne brutzeln. Zuerst müssen sie allerdings auch geschossen und sauber versorgt werden. Dabei darf man sich bitte nicht verleiten lassen, übertrieben starke Patronen zu verwenden. Das führt eher zu krankgeschossenem Wild oder dass es völlig zerlöchert in die Küche kommt! Solange die Enten auf den abgeernteten Weizen- und Gerstefelder einfallen, da schmecken sie am allerbesten, obwohl sie weniger Gewicht haben. Leider werden aber heutzutage die Stoppeln unmittelbar nach der Ernte umgebrochen.
Das saubere Versorgen beginnt bereits im Revier
Wie aber gehe ich vor, um eine Ente für die Küche sauber herzurichten?
Enten sollten noch im Revier möglichst sofort nach dem Erlegen
ausgenommen werden, besonders am Anfang der Jagdzeit bei noch
sommerlichem Wetter. Einen Schnitt vom Weidloch in Richtung Brustkorb
setzen, dann die Gedärme und Innereien vorsichtig herauslösen, damit
keine Darmflüssigkeit in die Bauchhöhle entweicht. Herz und Leber
waschen und getrennt aufheben.
Die Flügelhaut
durch die Mitte bis zum Gelenk schneiden. Das Gelenk
durchbrechen und zwischen den Knochen die Außenhälften der Flügel abschneiden. Nicht abhacken oder abzwicken, weil dadurch Splitter
entstehen, an denen man sich verletzen kann. Danach die Ruder (Latschen) abbiegen
und zwischen den Knochen der Gelenke ganz durchtrennen und entfernen.
Zum Schluss den Kragen kurz vor dem Rumpf durchtrennen. Ans Rupfen geht es dann daheim! Enten müssen nicht abgehangen werden und lassen sich am einfachsten rupfen, ehe sie in die Kühlung kommen. Dabei ist es schonender, sie trocken zu rupfen, als sie zu überbrühen oder mit Wachs zu behandeln. Zum Rupfen: Die Brustfedern vom Weidloch bis zum Kragen zwischen Vorfinger und Daumen büschelweise abziehen und anschließend den Rücken rupfen.
Wenn man nur die Brüste auslösen möchte, braucht man natürlich
nur die Brustseite zu rupfen. Nicht flämmen, sondern den Flaum unter
fließendem Wasser mit dem Daumen abreiben. Gegen heranwachsende Kiele
unter der Haut gibt es keine Lösung. Man kann sie zum Teil mit einer
Pinzette entfernen, aber bei Enten, deren Gefieder nur halb entwickelt
ist, wird immer ein 'Fünf-Uhr-Schatten' bleiben!
Um die Ente
bratfertig zu machen, die Fettdrüsen am Bürzel entfernen, deren Sekrete
dem Gefieder als Imprägniermittel dienen. Wenn das Fett in die Sauce läuft, verleiht es dem Braten einen tranigen Geschmack. Die
gerupfte Ente gut waschen und anschließend trocken tupfen. Bei Strecken,
die nicht sofort verwertet werden, können Wildenten ohne Weiteres im
Gefieder eingefroren werden.
Anmerkungen zur Zubereitung und Portionierung
Für eine Ententerrine erübrigt sich das
Rupfen und die Haut kann mit dem Gefieder von oben nach unten abgezogen
werden. Eine von der Größe durchschnittliche Stockente reicht für zwei
Personen. Eine Krickente, die allerdings einen besonders feinen
Geschmack hat, ist gerade genug für eine Person.
Enten haben eine
Fettschicht unter der Haut, die das Braten erleichtert, aber einen
leicht tranigen Geschmack bekommt, wenn sie zu lange in der
Tiefkühltruhe schlummern. Am besten nicht länger als vier Monate bei
minus 18 ° C aufbewahren. Damit die Enten saftig bleiben, lohnt es
sich, sie zu füllen - zum Beispiel mit Pfifferlingen, wenn sie
vorhanden sind, oder einer halbierten Zwiebel. Mein Lieblingsfüllsel
besteht aus Entenleber, Gehacktem vom Schwein, Räucherspeck, Zwiebeln,
Petersilie, Majoran und einem Ei. Aber nicht zu eng füllen, da die Haut
sonst platzen kann.
Die klassischen dazu passenden Kräuter sind Majoran
und Thymian. Etwas Liebstöckel in der Sauce macht ein mächtiges
Entengericht leichter verdaulich. Am besten passen alle Krautarten, von
Sauerkraut bis Blaukraut, Linsen, Waldpilze, Preiselbeeren oder
Moosbeeren dazu. Zu Krautgerichten schmecken statt Knödel vorgekochte
Kartoffeln in Enten- oder Gänsefett gebraten oder zum Schluss bei den
Enten im Bräter mitgebraten. Francis R. Hoff
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