18.05.2011 | Kommunikationspanne bei DEVA-Studie?

Bleifreie Büchsengeschosse nicht ungefährlich

Die 'Geheimniskrämerei' um eine Studie der DEVA zum Abprallverhalten von bleifreien Büchsengeschossen im Vergleich zu bleihaltigen ist beendet. Die Ergebnisse eines externer Gutachters dazu sind jetzt im Internet aufgetaucht. Und die haben es in sich.

Das Deckblatt des 165-seitigen Gutachtens.
Es galt in der jüngsten Vergangenheit als das bestgehütete Geheimnis der 'Deutschen Versuchs- und Prüfanstalt für Jagd- und Sportwaffen e. V.', kurz 'DEVA': Die Ergebnisse einer Studie zum 'Abprallverhalten von Jagdmunition', beauftragt durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Dabei wurde ein Vergleich zwischen bleifreien und bleihaltigen Büchsengeschossen für die Jagd gezogen und Aussagen zum jeweiligen Gefährdungspotenzial getroffen.
Das federführende Bundeslandwirtschaftsministerium hatte alle Beteiligten zum strengen Stillschweigen vergattert, denn eigentlich sollten die Erkenntnisse daraus bei einer zentralen Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Doch jetzt ist im Internet ein 165 Seiten umfassendes Papier eines externen Gutachters dazu aufgetaucht, aus dem sich die Versuche der DEVA detailliert rekonstruieren lassen (Verlinkung dazu siehe unten). Dabei dürfte es sich entweder um eine 'Kommunikationspanne' bei der BLE handeln, oder aber das Gutachten ist gezielt 'gehackt' worden.
Auch eine Zusammenfassung findet sich darin. Der unterzeichnende Gutachter Dr. Beat Kneubuehl, Leiter des Zentrums für Forensische Physik/Ballistik der Universität Bern, kommt dabei zu dem Schluss, dass:
  • 'Die seitlichen Ablenkwinkel im Mittel klein (< 2°) sind. Die extremsten Seitenwinkel waren immer noch kleiner als 20°.
  • abgeprallte Geschosse bzw. Geschossreste bleifreier Konstruktion eine signifikant größere Masse und eine signifikant größere Energie besitzen .
  • in 30 % der Abprallkonstellationen dennoch die bleihaltigen Geschosse mehr Energie als bleifreie haben.
  • die mittlere maximale Reichweite der Abpraller bei bleifreien Geschossen signifikant größer als bei bleihaltigen ist.
  • bei der Reichweite beim Unterschied zwischen bleihaltigen und bleifreien Geschossen eine Abhängigkeit vom Kaliber feststellbar ist.
  • ein bleihaltiges Geschoss mit sehr dickem Mantel in seinem Abprallverhalten demjenigen eines bleifreien Geschosses ähnelt.
  • das Medium, an dem ein Geschoss abprallt, einen Einfluss darauf ausübt, ob bleihaltige oder bleifreie Geschosse 'gefährlicher' abprallen, d. h. mit größerem Ablenkwinkel oder besserer Energieerhaltung.'
Eine Stellungnahme zum Gefährdungspotenzial von Jägern und Jagdgesellschaften lehnte der Gutachter ab. Begründung: Dafür müssten die jeweiligen jagdlichen Vorschriften mit in Rechnung gestellt werden.
Hier liegt aber offenbar der Knackpunkt, denn schon die Zusammenfassung zeigt, dass bleifreie Büchsengeschosse in einer Vielzahl von Konstellationen wohl ein weit höheres Gefährdungspotenzial besitzen, als dies bei bleihaltigen Geschossen der Fall ist. Darüber wird zu reden sein. Und auch darüber, wann die Ergbnisse 'offiziell' veröffentlicht werden: Laut Literaturverzeichnis des Gutachtens datiert der Abschlussbericht der DEVA zu diesem Forschungsvorhaben bereits vom 15. Februar 2011, das Gutachten selbst trägt das Datum des 5. April 2011. JMB
 
Nachtrag 19. Mai 2011:
 
Mittlerweile hat die BLE reagiert und die Ergebnisse offiziell bekannt gegeben. Sieht man sich die Projektinformation auf der Homepage der BLE (Link siehe unten) an, stellt man sich allerdings die Frage, ob die Verantwortlichen ein anderes Gutachten gelesen haben: Die Tendenz der Mitteilung steht in krassem Gegensatz zur oben zitierten Zusammenfassung des schweizerischen Gutachters. JMB
Die wichtigsten Informationen zum Versuch der DEVA
 
Getestete Kaliber: .243, .308, 9,3 x 74 R
 
Geschosskonstruktionen:
• Bleikern mit dünnem Mantel - Kegelspitz-Geschoss
• Bleikern mit dickem Mantel - Torpedo-Optimal-Geschoss
• Geschossmantel mit Steg und zwei Bleikernen - Nosler-Partition-Geschoss
• bleifreies, form- und massestabiles Geschoss - Impala-Geschoss
• bleifreies, deformierendes Geschoss - Barnes-TSX-Geschoss
• bleifreies, deformierendes Geschoss - Lapua-Naturalis-Geschoss

Schussentfernungen: 25 Meter, 50 Meter und 100 Meter

Beschussmedien: Gebüsch, Baumstamm, harter Boden, Steinplatte, weicher Boden. Außerdem gab es einen Rückprallversuch. Dieser Versuch sollte klären, ob Geschossreste, die aus dem beschossenen Wildkörper austreten und dann auf Baumstämme oder Steine auftreffen, zu Rückprallern führen. Zur Simulation des Wildkörpers wurden Seifenblöcke mit den Abmessungen 25 x 25 x 40 Zentimeter nicht in Längsachse, sondern quer zum Block beschossen.
Die geplante Schusszahl betrug drei Schüsse pro Geschoss und Kombination Seife/Baumstamm und Seife/Granit auf eine Entfernung von 50 Meter. Es wurden 2 500 auswertbare Schüsse abgegeben.

Dauer des Versuchs: 15 Monate
 
Kosten des Versuchs: rund 120 000 Euro.



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Kommentare

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Kommentare

19. Mai 2011 um 11:16 Uhr | von Lupus

Nicht ungefährlich?

Ich weiß nicht, wer der Autor dieses Artikels ist. Aus dem Gutachten pauschal Nachteile bleifreier Geschosse abzuleiten, ist ja wohl sehr gewagt!! Kann es sein, dass der Autor eine besonderer Fan von RUAG Ammotec ist?




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Impressionen vom 17. 'uJ-Schießen' 2012

Bei der Mauser-Disziplin galt es, auf 200 Meter die Gams zu treffen. Sowohl die gestellten Mauser-M03-Extreme, als auch die RWS-Munition lieen bezglich der Przision keine Wnsche offen. Foto: MC Vorbildlich: Mauser-Chef Thorsten Mann war den ganzen Tag an der 200-Meter-Bahn und fungierte als Ansprechpartner und Helfer. Foto: MC Sitzend aufgelegt: Przision und ruhiges Abziehen waren gefordert. Wer das zusammenbrachte traf auch auf 200 Meter in die Zehn. Foto: MC Angestrichen, galt es die uJ-Bockscheibe auf 100 Meter zu perforieren. Foto: MC Mit Schablone wurden die Treffer bei der uJ-Bockscheibe aufgenommen. Foto: MC Stets aufmerksam und hilfsbereit waren die Aufsichten. Insgesamt waren ber 20 Helfer im Einsatz - vielen Dank! Foto: MC Laufender Keiler - Klassiker beim uJ-Schieen. Foto: MC Die Anzeige beim laufenden Keiler verriet ganz genau, wer noch mehr ben sollte. Foto: MC Die Mndung schlgt hoch, die Hlse fliegt. Bei der 50-Meter-Disziplin mit Flintenlaufgeschoss (FLG) kamen auch erfahrene Jger an ihre Grenzen. Foto: MC Auch mit guten Willen lagen bei der FLG-Disziplin manche Treffer einfach nicht in den Punkten. Foto: MC Ruhe: Dieser Hepp und schon startet die Taube. Foto: MC Rauchend verlassen die Zinkschrote den Lauf und jagen der Tontaube hinterher. Foto: MC So soll es sein: Splitterregen am Himmel oder auch Treffer versenkt.  Foto: MC Gut gelaunt spaziert diese Rotte zur nchsten Disziplin. Foto: MC Die Hlse fliegt, der Keiler kommt, schnelles Repetieren: Drei Schuss mussten dem annehmenden Keiler angetragen werden. Foto: MC Beim annehmenden Keiler trafen viele Schtzen ins Leben. Foto: MC Stumme Gste: Diese beiden Wachtel blieben ruhig, trotz der vielen lockenden Schussgerusche. Foto: MC Am Stand von Mauser lie es sich prima fachsimpeln, und jeder konnte sich ber die neuesten Produkte informieren. Foto: MC Das Schieen aus der Bewegung bei der Flinten-Disziplin Durchgehschtze verlangte den Teilnehmern alles ab. Im Bild Hans-Jrg Faden, der alle zehn Tauben abrumte. Foto: MC Gut gelaunt schauten diese Teilnehmer den Mitstreitern zu. Foto: MC Jagderleben-TV filmte den ganzen Tag beim 17. unsere Jagd-Schieen. Foto: MC Fleiige Biene: Susanne Hammer kontrollierte alle Laufzettel. Foto: MC Konzentriert: Renate Effenberger hatte die Auswertung im Griff. Dafr ein herzliches Dankeschn. Foto: MC Neugier: Sobald die vielen Preise ausgelegt waren, inspizierten die Teilnehmer die Tische. Foto: MC Beste Schtzin: Nadine Weers (Mitte) aus Schleswig-Holstein war beste Schtzinn und gewann ein Jagdwochende im Landesforst Brandenburg. Es gratulierten Schieleiter Hans-Jrgen Beckmann (l.) und Michael Cosack. Foto: Georg Baumann Siegerlcheln: Schieleiter Hans-Jrgen Beckmann, Cord Beckmann (2. Platz), Markus Tger (1. Platz), Fabio Knust (3. Platz) und Chefredakteur Michael Cosack (v. l.). Beckmann whlte als Preis die Gamsjagd (Adler Tours), Sieger Tger einen Damwildabschuss (Landesforsbetrieb Brandenburg) und Knust das Minox-Zielfernrohr. Die Redaktion gratuliert ganz herzlich und wnscht Weidmannsheil! Foto: Georg Baumann Beste Mannschaft: Diese drei Nordlichter gewannen die Mannschaftswertung. Hans-Jrg Faden, Hans-Heinrich Mordhorst und Andreas Jordt (v.l.) freuten sich ber ihre bungsmunition von Lapua. Da hatten auch Michael Cosack und Hans-Jrgen Beckmann (r.) gut lachen. Foto: MC Bjrn Behrends war der beste Schtze auf der 200-Meter-Bahn (Gamsscheibe). Er erhielt als Sonderpreis von Thorsten Mann (l.) ein Mauser-Messer . Da hatte auch Michael Cosack (r.) seinen Spa dran. Foto: Georg Baumann Hauptpreis: Henning Thiele (Mitte) aus Helmstedt gewann die Mauser M03 mit Zeiss Duralyt Zielfernrohr im Wert von 3695 Euro. Es freuten sich mit ihm: Thorsten Mann Geschftsfhrer Mauser (l.) und Michael Cosack (Chefredakteur unsere Jagd). Foto: Georg Baumann

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