24.05.2011

Fehlabschuss mit Folgen

'Das Erlegen einer führende Ricke ist kein Kavaliersdelikt', warnt Dr. Benjamin Munte. Zudem verrät der Jagdrechtsexperte, welche Strafen der Gesetzgeber für dieses Vergehen vorsieht und ob der Jagdschein in Gefahr ist.

Dr. Benjamin Munte
Dr. Benjamin Munte, Der 33-Jährige Niedersachse ist Hundeführer, leidenschaftlicher Jäger und promovierte im Jagdrecht. Zudem veröffentlichte der Wolfsburger zahlreiche Beiträge zum Thema Jagd- und Waffenrecht in der Fachpresse.
 
Was erwartet einen Jäger, wenn er aus Versehen eine führende Ricke erlegt?
Dr. Benjamin Munte: Die Erlegung einer führenden Ricke ist kein Kavaliersdelikt. Vielmehr stellt dieser Gesetzesverstoß - im Gegensatz zu den Schonzeitverstößen (Ordnungswidrigkeit) - eine Straftat dar (Paragraf (§) 38 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 2 in Verbindung mit § 22 Abs. 4 Satz 1 BJagdG). Wer vorsätzlich eine führende Ricke erlegt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen! Nach Paragraf 38 Abs. 2 Bundesjagdgesetz wird jedoch auch derjenige bestraft, der die Tat fahrlässig begeht. Hier sieht der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten oder einer Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen vor. Das fahrlässige Begehen der Straftat ist erfüllt, wenn der Erleger pflichtwidrig der Annahme ist, es handle sich nicht um ein Elterntier. Von Jägern kann erwartet werden, dass sich dieser vor Schussabgabe sorgfältig über das zu erlegende Stück informiert und dieses fehlerfrei anspricht. Im Zweifel hat der Jäger die Schussabgabe zu unterlassen.
 
Wovon hängt die Höhe der Strafe denn ab?
Dr. Benjamin Munte: Die Höhe hängt von den individuellen Tatumständen ab. Es werden hierneben aber auch die persönlichen Verhältnisse des Täters berücksichtigt. Der bislang strafrechtlich nicht auffällig gewordene Ersttäter hat in der Regel mit einer deutlich milderen Bestrafung zu rechnen, als der einschlägig vorbestrafte. Je nach den Umständen im Einzelfall dürfte meistens eine Geldstrafe zur Anwendung kommen. Eine voraussichtliche Höhe der zu erwartenden Tagessätze kann jedoch nicht pauschal geschätzt werden.
 
Was könnte dem Unglücksschützen sonst noch drohen?
Dr. Benjamin Munte: Neben der eigentlichen Strafe ist auch die jagd- oder waffenrechtliche Zuverlässigkeit gefährdet. Diese ist regelmäßig anzunehmen, wenn eine Strafe in Höhe von 60 Tagessätzen oder mehr ausgesprochen wird, oder der Täter bereits in der Vergangenheit bestraft worden ist. Die Zuverlässigkeit kann sich auch begründen, wenn der entsprechende Täter mehrfach Ordnungswidrigkeiten (z. B. Schonzeitvergehen) begeht.

Darf beziehungsweise muss der Unglücksschütze die Kitze der gestreckten Ricke erlegen, um deren Leid zu verkürzen?
Dr. Benjamin Munte: Die Frage hierbei ist, wie er die verwaisten Kitze von anderen Kitzen unterscheiden soll. Grundsätzlich stellt die Erlegung von Kitzen während der Schonzeit eine Ordnungswidrigkeit dar. Besteht kein Zweifel daran, dass es sich bei einem Kitz um ein verwaistes handelt, könnte eine Erlegung nur durch tierschutzrechtliche Aspekte gerechtfertigt sein. Dies setzt voraus, dass das Stück keinerlei Überlebenschance hätte und das Leid nur durch Tötung verhindert werden kann. Im Einzelfall dürfte hier das Alter und die körperliche Entwicklung des Kitz maßgeblich sein. Neben der Erlegung ist aber auch eine andere Lösung der Situation in Betracht zu ziehen: sofern sich das Kitz unversehrt fangen lässt, kann es an eine Wildtierauffangstation übergeben werden. Diese Hilfe könnte in einem etwaigen Strafprozess als tätige Reue strafmildernd bewertet werden und eventuell die Tür zu einer Verfahrenseinstellung öffnen.
 
Wie ernst nehmen die Strafverfolgungsbehörden entsprechende Vergehen?
Dr. Benjamin Munte: Die Staatsanwaltschaft nimmt entsprechende Vergehen in der Regel sehr ernst und betreibt einen entsprechend hohen Ermittlungsaufwand. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass sich das Verfahren bis zu zwei Jahre hinzieht! Für den Beteiligten bedeutet dies angesichts der drohenden Sanktionen eine erhebliche Belastung und für den Fall einer Rechtsverteidigung, auch ein entsprechendes Kostenrisiko.
 
Das Interview führte Christian Schätze.
Dr. Benjamin Munte ist erreichbar unter Telefon  05361/39040, Fax 05361/390444 und munte@kanzlei-wolfsburg.de


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Kommentare

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Kommentare

30. Mai 2011 um 08:58 Uhr | von berlinger

Nichts neues

Dieser Artikel bringt mir keine neue Erkenntnis. Und das Zitieren von Gesetzestexten, die man schon hundertmal gelesen und gehört hat, nervt nur noch. Wo bleiben denn die Beispiele aus der Praxis, wo die eindeutigen und beispielhaften, wo die grenzwertigen und interpretationsbedürftigen Urteile, wo bleibt deren Einordnung in die Praxis? Diese geistige Leistung würde ich mir von einem Experten erwarten und nicht das wichtigtuerische Herunterbeten von Altbekanntem und oft gehörtes Juristen-Wischiwaschi wie 'das kommt auf den Einzelfall an.'


15. Juni 2011 um 12:40 Uhr | von jager11

Owi versus Straftat

Ich schliesse mich dem Kommentar nicht ganz an. Ich habe selber zu meinem großen Erstaunen während einer Jagdpause erfahren können, dass die Situation vielen nicht so klar ist. Das Vergehen gegen das Tierschutzgesetz (Geißenabschuß) ist eine ganz andere Dimension in der Heftigket der Ahndung. Eine Ordnungswidrigkeit (Schonzeitvergehen - Kitzabschuß)) wird viel milder anders gesehen. Ich empfehle, bei Gelegenheit das Gespräch im jagerischen Bekanntenkreis mal darauf zu lenken. Man kann sich wundern.


23. Juni 2011 um 12:38 Uhr | von Hoeft

Fehlabschuß mit Folgen

Dieser Artikel ist nur bedingt verwertbar, da eigentlich nur allgemein bekannte Gesetzestexte abgedruckt werden, womit ein eventuell betroffener Waidgeselle recht wenig anfangen kann. Wenn jemand vorsätzlich ein führendes Stück schießt, dürfte es ja wohl nur ein Frevler sein. 'Fahrlässigkeit' hingegen ist ein gerichtlich oftmals sehr unterschiedlich gewichteter Begriff. Passieren kann es aber durchaus trotz größtmöglicher Sorgfalt des Ansprechens vor dem Schuß, wenngleich generell die Regel gilt, dass man den Finger halt gerade sein lassen muss, wenn man sich nicht absolut sicher ist ( z.B. im hohen Bewuchs ). Im übrigen hat das Jagdrecht den Abschuß des weiblichen Wildes ja schon in die Zeit gelegt, wo eben auch die Kitze nicht mehr unbedingt der Führung bedürfen, so dass in der übrigen Zeit weibliches Rehwild ohnehin gar nicht frei ist. Was also sollen Artikel zu diesem Thema von einem im Jagdrecht promovierten Waidgesellen eigentlich bewirken? Will sich der gute Dr. Munte oder Herr Schätze damit nur als besonders im Jagdrecht versiert profilieren? Ich halte diese Art 'Schulmeisterei' schon aus den von mir vorerwähnten Gründen für völlig verfehlt und überflüssig. Friedhart Hoeft




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Impressionen vom 17. 'uJ-Schießen' 2012

Bei der Mauser-Disziplin galt es, auf 200 Meter die Gams zu treffen. Sowohl die gestellten Mauser-M03-Extreme, als auch die RWS-Munition lieen bezglich der Przision keine Wnsche offen. Foto: MC Vorbildlich: Mauser-Chef Thorsten Mann war den ganzen Tag an der 200-Meter-Bahn und fungierte als Ansprechpartner und Helfer. Foto: MC Sitzend aufgelegt: Przision und ruhiges Abziehen waren gefordert. Wer das zusammenbrachte traf auch auf 200 Meter in die Zehn. Foto: MC Angestrichen, galt es die uJ-Bockscheibe auf 100 Meter zu perforieren. Foto: MC Mit Schablone wurden die Treffer bei der uJ-Bockscheibe aufgenommen. Foto: MC Stets aufmerksam und hilfsbereit waren die Aufsichten. Insgesamt waren ber 20 Helfer im Einsatz - vielen Dank! Foto: MC Laufender Keiler - Klassiker beim uJ-Schieen. Foto: MC Die Anzeige beim laufenden Keiler verriet ganz genau, wer noch mehr ben sollte. Foto: MC Die Mndung schlgt hoch, die Hlse fliegt. Bei der 50-Meter-Disziplin mit Flintenlaufgeschoss (FLG) kamen auch erfahrene Jger an ihre Grenzen. Foto: MC Auch mit guten Willen lagen bei der FLG-Disziplin manche Treffer einfach nicht in den Punkten. Foto: MC Ruhe: Dieser Hepp und schon startet die Taube. Foto: MC Rauchend verlassen die Zinkschrote den Lauf und jagen der Tontaube hinterher. Foto: MC So soll es sein: Splitterregen am Himmel oder auch Treffer versenkt.  Foto: MC Gut gelaunt spaziert diese Rotte zur nchsten Disziplin. Foto: MC Die Hlse fliegt, der Keiler kommt, schnelles Repetieren: Drei Schuss mussten dem annehmenden Keiler angetragen werden. Foto: MC Beim annehmenden Keiler trafen viele Schtzen ins Leben. Foto: MC Stumme Gste: Diese beiden Wachtel blieben ruhig, trotz der vielen lockenden Schussgerusche. Foto: MC Am Stand von Mauser lie es sich prima fachsimpeln, und jeder konnte sich ber die neuesten Produkte informieren. Foto: MC Das Schieen aus der Bewegung bei der Flinten-Disziplin Durchgehschtze verlangte den Teilnehmern alles ab. Im Bild Hans-Jrg Faden, der alle zehn Tauben abrumte. Foto: MC Gut gelaunt schauten diese Teilnehmer den Mitstreitern zu. Foto: MC Jagderleben-TV filmte den ganzen Tag beim 17. unsere Jagd-Schieen. Foto: MC Fleiige Biene: Susanne Hammer kontrollierte alle Laufzettel. Foto: MC Konzentriert: Renate Effenberger hatte die Auswertung im Griff. Dafr ein herzliches Dankeschn. Foto: MC Neugier: Sobald die vielen Preise ausgelegt waren, inspizierten die Teilnehmer die Tische. Foto: MC Beste Schtzin: Nadine Weers (Mitte) aus Schleswig-Holstein war beste Schtzinn und gewann ein Jagdwochende im Landesforst Brandenburg. Es gratulierten Schieleiter Hans-Jrgen Beckmann (l.) und Michael Cosack. Foto: Georg Baumann Siegerlcheln: Schieleiter Hans-Jrgen Beckmann, Cord Beckmann (2. Platz), Markus Tger (1. Platz), Fabio Knust (3. Platz) und Chefredakteur Michael Cosack (v. l.). Beckmann whlte als Preis die Gamsjagd (Adler Tours), Sieger Tger einen Damwildabschuss (Landesforsbetrieb Brandenburg) und Knust das Minox-Zielfernrohr. Die Redaktion gratuliert ganz herzlich und wnscht Weidmannsheil! Foto: Georg Baumann Beste Mannschaft: Diese drei Nordlichter gewannen die Mannschaftswertung. Hans-Jrg Faden, Hans-Heinrich Mordhorst und Andreas Jordt (v.l.) freuten sich ber ihre bungsmunition von Lapua. Da hatten auch Michael Cosack und Hans-Jrgen Beckmann (r.) gut lachen. Foto: MC Bjrn Behrends war der beste Schtze auf der 200-Meter-Bahn (Gamsscheibe). Er erhielt als Sonderpreis von Thorsten Mann (l.) ein Mauser-Messer . Da hatte auch Michael Cosack (r.) seinen Spa dran. Foto: Georg Baumann Hauptpreis: Henning Thiele (Mitte) aus Helmstedt gewann die Mauser M03 mit Zeiss Duralyt Zielfernrohr im Wert von 3695 Euro. Es freuten sich mit ihm: Thorsten Mann Geschftsfhrer Mauser (l.) und Michael Cosack (Chefredakteur unsere Jagd). Foto: Georg Baumann

Mauser und mehr

98er: Vom Mauser-Norris bis zum Gewehr 98. Foto: SYS Oberndorfer Steinschloss-Jagdwaffen. Foto: SYS Am Ende des I. Weltkriegs produzierte Mauser 13-mm-Anti-Tank-Bchsen. Foto: SYS Oberndorfer Oberndorf/N.: Klosterkirche - 1938 bis 1945 Mauser-Museum. Foto: SYS Augustinerkloster Oberndorf/N.: Ab 1811 Kniglich Wrttembergische Waffenfabrik. Foto: SYS Gewehr M71/84 als Pirschbchse. Foto: SYS Drei Jagdrepetierer, 1912 bis 1914: Mauser-Modell B. Foto: SYS Mauser-Taschenpistole 1914. Foto: SYS Mauser-Modellvielfalt schon damals: Fr Jger und Sportschtzen. Foto: SYS Mauser: Militrische Exportmodelle vor 1945. Foto: SYS Klosterkirche (skularisiert): Infotafeln erinnern ans Mauser-Museum. Foto: SYS Gemlde (oben) Gewehrfabrik im Kloster und Steinschlossgewehre aus Oberndorf. Foto: SYS Ehrenamtlicher Museumsfhrer: Bchsenmachermeister i.R. Georg Egeler. Foto: SYS Schautafel: Mauser-Entwicklungsschritte.  Foto: SYS Zum Dr. Ing. ernannt: Paul Mauser. Foto: SYS Grnder ihres Waffenimperiums: Wilhelm Mauser und Paul v. Mauser. Foto: SYS

Weltmeisterschaft der Präparatoren

Afrika pur: Alter Kaffernbffel mit Madenhacker. Foto: Bettina Diercks 
Heimisch: Neben zahlreichen Exoten wurden auch Rehbcke und Schwarzwild ausgestellt. Foto: Bettina Diercks Diebischer Rotrock: Reineke hat sich einen Fasanenhenne gegriffen. Foto: Bettina Diercks Jury im Einsatz: Beim Bewerten wurde ganz genau hingesehen und jeder noch so kleine Fehler notiert. Foto: Bettina Diercks Besser gehts nicht: Robert Stein aus Berlin wurde mit seinem Kea nicht nur Weltmeister, sondern erhielt auch die Auszeichnung Best of Show. Foto: Bettina Diercks Dynamisch: Fr den Rehbock gibt es kein Entkommen. Foto: Bettina Diercks Klein und zerbrechlich: Mit diesem Nasenbr gewann Jan Panninger den Weltmeistertitel in der Kategorie Kleine Sugetiere. Foto: Bettina Diercks Steppenpavian: Mit ihm gewann der Ungar Laszlo Bago den Weltmeistertitel (Kleine-mittlere Kopfschultermontagen). Foto: Bettina Diercks Echter Hingucker: Schleiereule auf dem Dachboden einer Scheune. Foto: Bettina Diercks Weltmeisterlich: Die Spitzmauskarawane von Christian Blumenstein. Foto: Bettina Diercks Blick in die Salzburgarena: Hier trafen sich Spitzmaus, Falke und Gorilla. Foto: Bettina Diercks Auge in Auge: kritisch beugen Fruchttaube und Haselhahn die Bewertungsbgen. Foto: Bettina Diercks Gut getroffen: Isegrim greift einen Moschusochsen an. Foto: Bettina Diercks