17.03.2011
Artenschutz absurd: Langes Leid nach Wolfsunfall
In der Nacht vom 26. zum 27. Februar 2011 wurde auf der B 169 nördlich von Drebkau (Landkreis Spree-Neiße) eine junge Wölfin von einem Auto angefahren. 'Nach der Untersuchung durch einen Tierarzt und in Rücksprache mit Fachleuten, entschied die zuständige Naturschutzbehörde, das Tier einzuschläfern.' So vermeldet eine Pressemitteilung des 'Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz' den Vorfall. Was die Meldung verschweigt: Bevor die schwer verletzte Wölfin endlich erlöst wurde, musste sie ein stundenlanges Martyrium durchleiden.
'Ich wusste gleich, dass es ein Wolf war', berichtet der Fahrer. Ein entgegenkommendes Fahrzeug hielt an. Die Insassen hatten gesehen, dass der Audi mit etwas zusammengestoßen war. 'Die wollten nicht glauben, dass es ein Wolf war und gingen gucken: Das ist wirklich einer, sagten die, als sie zurückkamen - und der lebt noch!' Der Wolf lag neben der Straße, kam aber nicht hoch und knurrte, wenn sich jemand näherte. 'Das war ein tiefes Grollen, das über zwei Fahrbahnen zu hören war', so der Fahrer. Und: 'Der war unheimlich groß. Da kriegt man Respekt.'
Nach dem Unfall dauerte es nach R.s Angaben eine Stunde, bis die Polizei kam. Nach einer weiteren Stunde - mittlerweile war es 2.30 Uhr - verließ R. den Unfallort. Da lag der Wolf immer noch knurrend und leidend im Straßengraben.
Mitte Januar hatte ein Polizist im nur 20 Kilometer entfernten Senftenberg einen angefahrenen Wolf erschossen, und damit nicht nur empörte Reaktionen von Medien und Naturschützern hervorgerufen, sondern auch ein Dienstaufsichtsverfahren an den Hals bekommen. Daher kam ein Gnadenschuss aus der Dienstpistole diesmal offenbar nicht in Frage. 'Mein Eindruck war, dass die Polizei den offensichtlich schwer kranken Wolf sonst schon längst erschossen hätte', schildert Andreas R. die Atmosphäre.
Ilka Reinhardt vom Wildbiologischen Büro Lupus behauptet, sie könne sich nicht erinnern, wann sie am Unfallort eingetroffen sei. Auch weigert sie sich, Angaben zum zeitlichen Ablauf der Aktion zu machen. Es sei aber alles korrekt abgelaufen, beteuert die Biologin.
Prof. Dr. Jörg Luy, Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierverhalten am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin äußert sich bestürzt über den Vorfall: 'Diese Form emotional aufgeladenen Artenschutzes hat mit Tierschutz nichts zu tun. Wenn sich der Unfall tatsächlich so abgespielt hat, ist das eindeutig ein Fall von Euthanasieverschleppung.' Luy plädiert dafür, geschützte Arten im Hinblick auf den Tierschutz genau so zu behandeln, wie alle anderen Arten auch. Das hieße in so einem Fall: 'Licht aus, und zwar schnell.'
Luy gibt zu bedenken, dass eine Wiederauswilderung nach komplexen Heilungsprozessen nur dann möglich ist, wenn die Fitness zu 100 Prozent wieder hergestellt ist. Und dies sei im Fall erkennbar schwerer und schwerster Verletzungen schlicht nicht zu erwarten. 'Bislang ist die Polizei nicht verpflichtet, ein schwer verletztes Tier zu erlösen', kritisiert Luy. 'Es wäre einfacher, wenn aus der Kann-Vorschrift ein Soll-Vorschrift würde, Polizisten den Gnadenschuss also anbringen müssten.' Stephan Elison
WESTERWÄLDER WOLF GESCHOSSEN?
FÖHR LEIDET UNTER GRAUGÄNSEN
STATT JAGD: GÄNSE SOLLEN BEGAST WERDEN
Kommentare
Sie können diesen Artikel kommentieren und mit jagderleben.de-Lesern und der Redaktion über das Thema diskutieren. Zum Kommentieren bitte anmelden.
17. März 2011 um 18:48 Uhr | von 202
Artenschutz absurd
Ich war bisher dem Büro Lupus recht positiv eingestellt. Diese Art und Weise aber, wie 'Artenschutz' dort praktiziert wird, läßt mich an eine Posse aus der Politik denken. Wenn der Tierschutz nun auf dem 'Altar' der Ideologie geopfert wird, dann sehe ich keinen Grund, diese gegenwärtige Einrichtung weiter zu unterstützen. Es ist, wie überall: hat man erst ein Quentchen Macht erlangt, denkt man, dass man sich alles erlauben kann.
23. März 2011 um 17:44 Uhr | von Tortenboxer
Ist das der neue Tierschutz?
Wenn man den o.a. Bericht liest fragt man sich, wohin wir in unserem Land gekommen sind? Man sollte die zuständigen Damen und Herren, die die Ursache für die Verzögerung sind, wegen Tierquälerei anzeigen! Man fragt sich, was die zuständigen Ministerien in Berlin und in den Bundesländern dagegen unternehmen?
24. März 2011 um 18:40 Uhr | von uschauff
Einfach nicht zu glauben
Beim Lesen des Artikels habe ich mehrmals mit dem Kopf schütteln müssen und aufrichtiges Mitleid mit der sich quälenden Kreatur empfunden. Was muß das Tier mit den beschriebenen Verletzungen gelitten haben! Das Verhalten der Polizeibeamten ist vor dem Hintergrund der beschriebenen disziplinarrechtlichen Probleme, die einer ihrer Kollegen in vergleichbarer Situation bekommen hat,durchaus nachvollziehbar und verständlich. Etwas anderes kann man da schon fast nicht mehr erwarten, erst recht nicht nach den geschilderten Schwierigkeiten, zu der genannten Uhrzeit einen zuständigen Tierarzt, der zudem noch schnell zum Unfallort kommen kann, zu erreichen. Völlig unverständlich und absolut inakzeptabel ist das Verhalten von Frau Ilka Reinhardt, die sich mit ihrer Aussage bzw. Ausrede nach meiner Auffassung (erneut) fachlich disqualifiziert und als eindeutig nicht geeignet für die von ihr wahrgenommene Funktion erwiesen hat. Das hat weder etwas mit Tier-, noch mit Naturschutz zu tun, sondern ist nichts als bloße Ideologie, Frau Reinhardt. Sinngemäß gilt dies auch für die Stellungnahme des brandenburgischen Umweltministeriums, dessen Aussagen einer Überprüfung unterzogen werden müßten.








































































