13.08.2010
Schweiz: Wolf abgeschossen
Im deutschsprachigen Raum waren jüngst fast zeitgleich an verschiedenen Stellen Übergriffe von Wölfen auf Haustierherden bekannt geworden. In der Schweiz wurde ein Wolf wegen eines Angriffs auf Rinder zum Abschuss freigegeben und auch erlegt. In Bayern, Österreich und Ostdeutschland sind Schafe gerissen worden; zuletzt in Brandenburg gleich 33 Stück!
Am frühen Morgen des 11. August ist auf der Alpe 'Scex' ein männlicher Wolf erlegt worden. Das teilt der Kanton Wallis in einer Presseerklärung mit. Demnach hielt sich der Wolf wohl in der Nähe einer Rinderherde auf. Der Abschuss erfolgte in Einklang mit dem Konzept 'Wolf Schweiz' in der darin festgelegten Frist gemäss einer Abschussbewilligung vom 6. August 2010.
Der Bewilligung zum Abschuss war ein Vorfall in besagtem Gebiet vorausgegangen, beidem ein oder mehrere Wölfe etliche Schafe gerissen hatten und auf einer Alpe zudem zwei tote und ein verletztes Rind gefunden wurden.
Die festgestellten Rissmuster ließen auf den Wolf als Verursacher
der Angriffe schließen.
Da die Behörden von Bund und Kanton festgestellt hatten, dass zurzeit keine angemessenen Massnahmen zum Schutz der Rinder gegen Wolfsangriffe zur Verfügung stehen, reagierten sie mit der Abschussgenehmigung. Der Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere (DJFW) wurde die Verantwortung für den
Vollzug übertragen.
'Mit der Flinte lassen sich keine Probleme
lösen', kritisierte inzwischen Kurt Eichenberger, Großraubtierexperte des WWF die Freigabe. Das
Wallis solle sich seiner Meinung nach um einen besseren Herdenschutz kümmern.
Bevor der Wolf erlegt wurde, stellten Wildhüter fest, dass sich mehrere Wölfe in unmittelbarer Nähe der bereits betroffener Rinderherden befanden. In der Folge wurde das Gebiet eng überwacht. Diese Überwachung führte in den frühen Morgenstunden zum Abschuss eines Wolfes auf der Alpe Scex durch ein Organ der Jagdaufsicht. Es handelt sich um ein männliches Tier. Gemäss Wolfskonzept wird es zur Untersuchung ins Tierspital Bern gebracht. Angaben über Alter und Verfassung des Wolfs werden im Autopsie-Bericht erwartet.
Sollten sich die Angriffe auf die Rinderherden im betroffenen Gebiet fortsetzen, wird die Situation durch die zuständigen Behörden gemäss geltender Gesetzgebung und gestützt auf das Konzept 'Wolf Schweiz' neu beurteilt, heißt es in der Mitteilung zum weiteren Vorgehen.
Den Medien schrieben die Eidgenossen dann noch eine klare Ansage ins Stammbuch: Es werden keine technischen Details zum Abschuss, zum Abschussort oder zum Schützen bekannt gegeben, beschied der Kanton Wallis. PM/BHA/RJE
Weitere Fälle von Wolfsübergriffen
Fast Zeitgleich mit dem Wolfsabschuss in der Schweiz, kam es im
deutschsprachigen Raum zu zwei weiteren bedeutenden Übergriffen von
Wölfen auf Haustiere.
- Ein Wolf hat in der Tiroler Gemeinde Thiersee sechs Schafe gerissen. Vermutlich handelt es sich um den Wolf, der auf bayerischer Seite in der Umgebung von Bayrischzell bereits mehrere Schafe gerissen hat. Die betroffene Herde wurde inzwischen ins Tal getrieben, um weitere Schäden abzuwenden.
- Auf einer Schafweide bei Brück im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg) sind 33 Lämmer aus einer Herde von 38 Tieren ebenfalls vermutlich von Wölfen gerissen worden. 15 Tiere wurden sofort getötet und größtenteils aufgefressen, 18 weitere schwer verletzt. Auch zwei Mutterschafe wurden angegriffen.
Im zuletzt geschilderten Fall bot sich dem Herdenbesitzer ein besonders schreckliches Bild: Die
getöteten Tier lagen über mehrere hundert Meter auf der mit einem
Stromzaun gesicherten Weide verstreut. Der Märkischen Allgemeinen
Zeitung (MAZ) sagte der schockierte Schäfer, dass er 'solche Kehlbisse'
noch nie gesehen habe. Drei Schafskadaver wurden zur Untersuchung ins
Veterinäramt in Brandenburg/Havel gebracht.
Als Reaktion auf den Vorfall im Wallis forderte der Schweizer Bauernverband
(SBV) jetzt eine Überarbeitung des Wolfskonzepts. Das vor fast zehn Jahren
erarbeitete 'Konzept Wolf' sei von der Realität überholt worden. Die
Schäden bei Schafen und Ziegen seien in den letzten Jahren markant
angestiegen, mit dem Angriff auf Rinder nehme die
Wolf-Nutztierproblematik in der Schweiz eine neue Dimension an.
Die
Fachkommission Viehwirtschaft des SBV weist zudem den Vorwurf zurück, die
Tierhalter und Betreiber der Alpen würden die Tiere ungenügend schützen. Der Einsatz von Herdenschutzhunden sei auf Schafe begrenzt,
sehr anspruchsvoll und nicht überall möglich. Bei Angriffen auf Rinder
hätten die Bauern nichts gegen den Wolf in der Hand. Die Tierverluste
stellten für die betroffenen Bauern eine große Belastung dar und seien
mit erheblichen Kosten verbunden, die niemand entschädige. Die
gerissenen Tiere litten große Qualen. Daher sei es für die betroffenen
Tierhalter schwierig zu verstehen, warum die Wiederansiedlung eines
Raubtiers höheren Stellenwert genieße, als der Schutz ihrer Tiere.
Auf die ihm eigene Art hat der WWF die Diskussion bereichert: Dessen Artenschutzexperte Stefan Ziegler hält die Besiedlung deutscher Vorstädte durch Wölfe für möglich. Der Generalist könne wie Füchse oder Wildschweine gut im Stadtwald leben, intakte Natur brauche er dafür nicht unbedingt.
Für sich genommen ist diese Aussage sicherlich richtig, der Wolf kann das - wenn der Mensch ihn lässt! Die Frage ist nur, ob es klug ist, ihn zu lassen. Die vielen Omis mit ihren Schosshündchen und Freilauf-Katzen haben dazu sicher eine eigene Meinung. RJE
Lesen Sie hierzu auch:
STEINWILD-SCHONZEIT AUFGEHOBEN
WOLF STREIFT DURCH DIE VOGESEN
INTERNATIONALE ROTWILDTAGUNG IN ZWIESEL
Kommentare
Sie können diesen Artikel kommentieren und mit jagderleben.de-Lesern und der Redaktion über das Thema diskutieren. Zum Kommentieren bitte anmelden.
IHR JAGDERLEBEN
Sie können diese Seite ganz einfach an Ihre Bedürfnisse anpassen. Um alle Funktionen dieser Website nutzen zu können, brauchen Sie sich nur zu registrieren.
ANMELDUNG
Anzeigen


































































































